Konjunkturlokomotive Bauindustrie

Wohnungsbau

Konjunkturlokomotive Bauindustrie

Der Wohnungsbau hat sich zum Start des zweiten Halbjahres als Konjunkturlokomotive zurückgemeldet. Bild: Erbbauverein Agnesviertel
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„Nicht nur das Wetter erreichte in diesem Jahr immer neue Superlative, auch der Bau erlebte einen heißen Sommer.“ Mit diesen Worten kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel, die aktuellen Konjunkturindikatoren im Bauhauptgewerbe. Demnach hätten die Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten für Juli ein Umsatzplus von nominal 13,1 Prozent gemeldet. Im gesamten Zeitraum von Januar bis Juli lägen die Umsätze um neun Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

„Auch für die kommenden Monate sind wir optimistisch,“ ergänzt Babiel. Schließlich lägen die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten um nominal 7,9 Prozent über dem Vorjahr. Allein im Juli hätten die Betriebe 10,1 Prozent mehr Aufträge erhalten als im Vorjahresmonat und mit sieben Milliarden Euro sei er der höchste jemals gemessene Juli-Wert. Auch im Vergleich zum Vormonat weise das Statistische Bundesamt ein Plus aus: Der (preis-, saison- und arbeitstäglich) bereinigte Auftragseingang sei – trotz des mittlerweile erreichten hohen Niveaus – binnen Monatsfrist um 1,9 Prozent gestiegen.

„Der Wohnungsbau hat sich zum Start des zweiten Halbjahres als Konjunkturlokomotive zurückgemeldet,“ erläuterte Babiel. Nach einem schwachen Juni-Ergebnis hätten Umsätze und Auftragseingänge im Juli wieder stark angezogen (plus 18,5 beziehungsweise plus 17,5 Prozent). Aber auch die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes seien nicht untätig gewesen: Für den Wirtschaftsbau hätten die Baubetriebe einen deutlichen Umsatz- und vor allem Auftragsschub gemeldet (Juli: plus 9,6 beziehungsweise plus 17,1 Prozent). Lediglich der Öffentliche Bau schwächele ein wenig. Die Aufträge seien im Juli leider im Minus gewesen. Babiel befürchtet, dass die Verwaltungen nicht über genügend Personalressourcen verfügten, um geplante Projekte voranzutreiben.

Deutsche Bauindustrie zur Zuwanderung

Um weiterhin als Konjunkturlokomotive fungieren zu können, werden zahlreiche Fachkräfte benötigt. „Qualifizierte Zuwanderung kann zur Linderung des Fachkräfteengpasses in der Bauwirtschaft beitragen“, erklärt Dipl.-oec. Andreas Schmieg, Vizepräsident Sozialpolitik des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Das jetzt vorgelegte Eckpunktepapier gehe daher in die richtige Richtung. „Wir begrüßen ausdrücklich, Fachkräften aus dem EU-Ausland langfristige Chancen in Deutschland aufzuzeigen. Dies wird allerdings nicht ausreichen, um den Fachkräfteengpass zu beheben“, kommentiert Schmeig. Zuwanderung aus Drittstaaten sei daher zusätzlich erforderlich.

Qualifizierung von Zuwanderern

„Es ist richtig, dass gesteuerte, qualifizierte Zuwanderung und Asylverfahren klar getrennt sein sollen. Die bestehenden Möglichkeiten für Menschen mit Aufenthaltsduldung, die einige Zeit in Deutschland gelebt und sich gut integriert haben, befürworten wir jedoch“, fügte Schmieg hinzu. Dies würde insbesondere die so genannte „3+2-Regelung“ für junge Menschen in Ausbildung betreffen, die bei einer einheitlichen und transparenten Anwendung auch für die Unternehmen Sicherheit schaffe, die sich bereits jetzt engagieren.

Die Forderung, dass eine Qualifizierung der Zuwanderer in der Regel gleichwertig mit einer deutschen Berufsausbildung sein müsse, sei allerdings besonders bei den breit aufgestellten Bauberufen kaum zu erfüllen. „Unser duales Ausbildungssystem, das eine umfassende berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt, ist einmalig auf der Welt. Man kann von Zuwanderern daher in vielen Berufen nicht verlangen, einen gleichwertigen Abschluss vorzuweisen. Damit würde die Regelung geradezu ins Leere laufen“, ergänzte Schmieg. Es müsse daher Verfahren geben, die den Nachweis einer qualifizierten Berufspraxis ermöglichen, die einer qualifizierten Tätigkeit in Deutschland entspräche, gegebenenfalls auch nur in Teilbereichen eines Berufsbildes. Über eine Nachqualifizierung könnten dann zur Gleichwertigkeit noch fehlende Fachkompetenzen nachgeholt werden.

Modernisierung der Ausbildungsangebote

„Auch ausreichende Sprachkenntnisse sind für die Ausübung von Bauberufen wichtig, nicht zuletzt, weil vor allem die Arbeitssicherheit unmittelbar damit zusammenhängt. Ein ausreichendes Sprachniveau sollte daher grundsätzlich gegeben sein. Nur an der Sprache darf es aber nicht scheitern. Wenn alle anderen Voraussetzungen stimmen, müssen flexible Lösungen gefunden werden“ so Schmieg weiter. Darüber hinaus werde die Baubranche ihre Anstrengungen im Bemühen um Fachkräfte weiter ausbauen, zum Beispiel durch verstärkte Kampagnen zu Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten sowie einer Modernisierung der Ausbildungsangebote. (ig)

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