Wachsende Zahl von Strom-Selbstversorgern

Energiewende

Wachsende Zahl von Strom-Selbstversorgern

Dank sinkender Speicherpreise ist der Eigenverbrauch mit Hilfe eines Speichers ab 2021 die lukrativste Option für Betreiber typischer privat genutzter Anlagen. Bild: Schneider-Solar
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Seit Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 haben zahlreiche Immobilieneigentümer in Photovoltaik-Anlagen investiert – und in der Folge von hohen, garantierten Einspeisevergütungen profitiert. Da diese Subventionen auf 20 Jahre angelegt sind, fallen ab 2021 immer mehr Anlagen aus der Förderung heraus. „Betroffene sollten deshalb beginnen, über neue Betriebskonzepte nachzudenken“, sagt Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Wichtige Erkenntnisse liefert in diesem Zusammenhang die aktuelle PwC-Analyse „Energyfacts: Alte Photovoltaik-Anlagen – Ende der Förderung in Sicht“. Denn sie zeigt: Für Anlagen-Betreiber dürfte es in der Regel deutlich lukrativer sein, den Strom im eigenen Haushalt zu verbrauchen, als ihn an der Börse zu verkaufen.

Stromspeicher werden zunehmend rentabel

So prognostizieren die PwC-Experten, dass Eigentümer von typischen Anlagen auf Einfamilienhäusern, bei denen die Förderung 2021 endet, mit dem Stromverkauf an der Börse im Schnitt nur 163 Euro pro Jahr erlösen können. Wenn sie den Strom selbst verbrauchen, sparen sie dagegen unterm Strich 533 Euro pro Jahr – ihr finanzieller Vorteil ist also mehr als dreimal so hoch.

Der Vorteil steigt der Prognose zufolge auf 543 Euro pro Jahr, wenn Betreiber einen Stromspeicher einsetzen. Denn dann können sie einen deutlich höheren Anteil des erzeugten Stromes selbst nutzen. „Dank sinkender Speicherpreise ist der Eigenverbrauch mit Hilfe eines Speichers nach unseren Berechnungen ab 2021 die lukrativste Option für Betreiber typischer privat genutzter Anlagen“, erläutert Norbert Schwieters.

In den Folgejahren wird diese Option noch lukrativer, weil die Speicherpreise nach Einschätzung der PwC-Experten auch nach 2021 weiter kräftig sinken. So dürften sie sich bis 2025 im Vergleich zu heute nahezu halbieren.

Energieversorger müssen Angebote entwickeln

Während der finanzielle Vorteil der Option „Eigenverbrauch plus Speicher“ kräftig wächst, dürften die – ohnehin weitaus niedrigeren – Erlöse durch den Stromverkauf an der Börse dagegen nur moderat steigen. Schwieters: „Damit spricht alles dafür, dass Betreiber überwiegend auf Eigenverbrauch setzen, wenn die EEG-Förderung endet.“ Diese Entwicklung stellt Energieversorger vor große Herausforderungen. Denn sie verlieren im Lauf des nächsten Jahrzehnts sukzessive Strommengen von Kunden, die sich für die Selbstversorgung entscheiden.

Bei steigendem Eigenverbrauch ist auch die Politik gefordert

Neben Energieversorgern betrifft die Problematik aber auch Netzbetreiber und die Politik. Denn wer sich selbst versorgt, zahlt momentan keine Netzentgelte mehr. Um dies auszugleichen, werden die Entgelte für die verbleibenden Stromverbraucher vermutlich steigen. „Verantwortliche bei den Netzbetreibern und in der Politik sind deshalb gut beraten, sich frühzeitig mit dem Trend zum Eigenverbrauch zu befassen“, rät Schwieters. „Zudem sollte die Stabilität der Netze aufgrund unterschiedlicher Entwicklungen von Erzeugern und Verbrauchern sowie ihres Verhaltens überprüft werden.“ Das gilt in besonderem Maße in Bayern und Baden-Württemberg. Denn dort stehen besonders viele Photovoltaik-Anlagen, bei denen zwischen 2021 und 2030 die EEG-Förderung ausläuft.

Regionen: Das sind die Top Five

Regionale Spitzenreiter sind die bayrischen Regionen Landau-Dingolfing, Landshut und Deggendorf, in denen bis zu 6.200 Anlagen aus der Förderung fallen – gefolgt von Schwäbisch-Hall und Biberach in Baden-Württemberg auf den Plätzen Vier und Fünf. Auch im südlichen Niedersachsen und im nördlichen Nordrhein-Westfalen stehen überdurchschnittlich viele Photovoltaik-Anlagen, deren Betreiber nur noch wenige Jahre von der Einspeisevergütung profitieren. In den neuen Bundesländern sowie im westlichen Nordrhein-Westfalen gibt es dagegen etliche Regionen, in den denen nicht mal 200 Anlagen betroffen sind.

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