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Andreas Müller im Interview über 5G-Aktivitäten bei Bosch

Interview mit Dr. Andreas Müller
„5G ist ein Standard der Superlative“

Dr. Andreas Müller, Andreas Müller, Bosch-Forscher und Vorsitzender der 5G-ACIA
Andreas Müller, Bosch-Forscher und Vorsitzender der internationalen Initiative 5G-ACIA. Bild: Bosch
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Dr. Andreas Müller leitet den Bereich „Communication und Network Technology“ bei Bosch in Renningen. Er koordiniert die unternehmensweiten 5G-Aktivitäten von Bosch im Bereich Industrie 4.0. Seit April 2018 ist Müller Vorsitzender der „5G Alliance for Connected Industries and Automation“ (5G-ACIA), einem weltweiten Zusammenschluss von mehr als 55 Unternehmen und Forschungsinstituten mit dem Ziel, 5G von Beginn an industriefähig zu gestalten. Im Interview spricht Müller über die 5G-Aktivitäten von Bosch.

Das Interview führte Dennis Christmann, Sprecher IIoT, Industrie 4.0, KI und 5G bei Bosch.

Alle sprechen über 5G. Was ist so besonders an diesem neuen Kommunikationsstandard?
Dr. Andreas Müller: Wenn wir es uns einfach machen wollen, könnten wir sagen, es handelt sich um die Weiterentwicklung der bisherigen Mobilfunkstandards 2G, 3G und 4G. Aber das greift zu kurz. Bei 5G passiert etwas völlig Neues: Erstmalig wurde ein Mobilfunkstandard entwickelt, der sich nicht nur auf die Vernetzung von Menschen konzentriert, sondern auf die Kommunikation zwischen Sensoren, Geräten, Maschinen und anderem im Internet of Things. Für Bosch ist IoT von zentraler Bedeutung. Bereits heute beschäftigen wir mehr als 30.000 Software-Entwickler, davon sind rund 5.000 fürs IoT tätig. Künftig sollen möglichst alle Bosch-Produkte mit vernetztem Servicepaket auf den Markt kommen.

Wie viel besser, schneller wird die Kommunikation mit 5G?
Müller: 5G ist ein Standard der Superlative: 5G ist mit Spitzendatenraten von 20 Gbit/s bis zu 20 Mal schneller als 4G, kann Daten mit einer Latenz von einer Millisekunde nahezu verzögerungsfrei übertragen und ist mit einer Zuverlässigkeit von bis zu 99,9999 Prozent fast so zuverlässig wie Datentransfer per Kabel. Mit 5G wird erstmalig auch „kritische Kommunikation“ in Echtzeit per Funk möglich. Das bedeutet, es lassen sich mit 5G Anwendungen drahtlos realisieren, die zwingend zuverlässig und sicher funktionieren müssen. 5G erschließt neue Anwendungsfelder in der Industrie, wo die Leistungsfähigkeit von anderen Funktechnologien wie WLAN in der Vergangenheit in vielen Fällen nicht ausreichend war.

„5G hat ein enormes disruptives Potenzial“
– Dr. Andreas Müller, Leiter Communication und Network Technology, Bosch

Wie wichtig ist 5G für Bosch?
Müller: Bosch ist ein IoT-Unternehmen. Wir bieten Lösungen für die vernetzte Mobilität, das vernetzte Zuhause und die vernetzte Fabrik. Dabei hat 5G enormes disruptives Potenzial: Einerseits werden damit ganz neue technische Lösungen und Geschäftsmodelle ermöglicht, andererseits gehen damit auch grundlegende Änderungen etablierter Wertschöpfungsketten einher. Bosch hat bereits 2014 mit Forschungsaktivitäten zu 5G begonnen und bringt sich in vielen nationalen und internationalen Initiativen und Gremien ein. Dies gilt beispielsweise für die „5G Alliance for Connected Industries and Automation“ (5G-ACIA). Bosch hat in der Initiative den Vorsitz übernommen, um gemeinsam mit den Partnern 5G von Anfang an industriefähig zu gestalten. Zudem beantragten wir für ausgewählte deutsche Standorte 5G-Lizenzen bei der Bundesnetzagentur. Deutschland übernimmt hier eine weltweite Vorreiterrolle, die es Unternehmen ermöglicht, eigene, lokale Campusnetze aufzubauen.

Welche Vorteile hat 5G für die Produktion?
Müller: 5G macht die Fertigung flexibler, mobiler und produktiver. Ein Beispiel für den Einsatz von 5G in der Produktion sind tragbare und mobile Bedienpanels, mit denen sich Mitarbeiter vor Ort flexibel auf verschiedene Anlagen und Maschinen aufschalten können und die selbst sicherheitskritische Anwendungen wie Not-Halt mit unterstützen. Stand heute sind solche Vorrichtungen typischerweise stationär an jeder Maschine angebracht. Auch Augmented Reality bringt mit dem neuen Mobilfunkstandard enorme Vorteile. Zudem lassen sich mit 5G fahrerlose Transportsysteme problemlos vernetzen und in die Produktion integrieren.

„5G macht die Fertigung flexibler, mobiler, produktiver“
– Andreas Müller

Wenn 5G einen solchen Schub für die Produktion bedeutet, weshalb hat Bosch dann bislang lediglich für die Standorte Feuerbach und Renningen 5G-Lizenzen beantragt?
Müller: Wir sind nach wie vor dabei, das volle Potenzial von 5G zu evaluieren und neue Fertigungskonzepte zu erarbeiten. Dies erfordert Zeit und erfolgt zunächst an ausgewählten Standorten, die Pionierarbeit für den gesamten Bosch-Verbund leisten. Zudem wollten wir zunächst Erfahrung mit dem Antragsverfahren der Bundesnetzagentur sammeln. Aber wir haben fest vor, perspektivisch 5G in allen Bosch-Werken nach und nach einzusetzen.

Wie geht es konkret weiter?
Müller: Nach der Lizenzierung durch die Bundesnetzagentur planen wir nun, gemeinsam mit Partnern lokale 5G-Netze im Laufe dieses Jahres aufzubauen. Voraussichtlich Ende 2020 wollen wir damit beginnen, 5G in den Regelbetrieb zu überführen.

Mit wem arbeitet Bosch beim Aufbau der Netze zusammen?
Müller: Wir stehen derzeit mit verschiedenen potentiellen Partnern im Kontakt, um die für uns optimale Lösung sowie das optimale Betreibermodell zu identifizieren. Dies kann am Ende von einem kompletten Eigenbetrieb bis zu einer Kooperation mit einem klassischen Netzbetreiber reichen. Da das Thema für alle neu ist und sich gerade in Deutschland mit den lokalen 5G-Lizenzen auch die regulatorischen Randbedingungen grundlegend geändert haben, ist derzeit viel im Fluss. Es entstehen neue Geschäftsmodelle, aber auch viele neue Startups, die sich auf 5G-Campusnetze fokussieren und dafür innovative Ideen entwickeln.

Worauf kommt es beim Aufbau von lokalen Campusnetzen besonders an?
Müller: Derzeit sind noch viele Fragen offen. Das beginnt bei der Netzwerkplanung. Bei der klassischen Netzwerkplanung fokussiert man sich in der Regel auf die Netzabdeckung und die erreichbare Datenrate. In einer Fabrik kommt es aber auch auf Kriterien wie Latenz und die Zuverlässigkeit an. Und eine Zuverlässigkeit von 99,9999 Prozent sicherzustellen, ist planerisch nicht so einfach. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie das Netzwerk genau aufgebaut wird. Auch die sichere Integration in existierende Strukturen, beispielsweise das Bosch-Netzwerk, ist im Detail anspruchsvoll. Zudem gilt es, die Gesamtkosten über die Lebenszeit abzuschätzen – und das für einen Markt, der sich erst noch finden muss. Eine zentrale Aufgabe wird sein, 5G-Kompetenz aufzubauen und Mitarbeiter weiter zu qualifizieren, denn ohne den Menschen geht auch bei 5G nichts.

„Für produktionskritische Anwendungen werden wir aus heutiger Sicht nicht auf öffentliche Netze zurückgreifen.“
– Andreas Müller

Was passiert mit deutschen Werken, für die Sie keine Lizenz beantragen? Planen Sie hier die Nutzung öffentlicher 5G-Netze?
Müller: Sicherheit hat für Bosch höchste Priorität. Für produktionskritische Anwendungen werden wir aus heutiger Sicht nicht auf öffentliche Netze zurückgreifen. Wir beginnen mit 5G-Leitwerken und übertragen sukzessive die gewonnenen Erkenntnisse auf andere Bosch-Standorte.

Wie steht es um die Gesundheit? Wie gefährlich ist die Strahlenbelastung durch 5G?
Müller: Bosch nimmt das Thema und die teils vorhandenen Bedenken sehr ernst. Die Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben und Grenzwerte ist selbstverständlich. Zudem analysieren wir regelmäßig die Einschätzungen und Empfehlungen verschiedener Organisationen, wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS). Bislang gibt es gemäß WHO und BfS trotz zahlreicher Studien keine wissenschaftlichen Belege für negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Unabhängig davon erarbeiten wir Konzepte, wie sich die Strahlenexposition zum Beispiel durch eine geeignete Netzplanung minimieren lässt. Eine hohe Dichte an Basisstationen ist hier vorteilhaft, da sich auf diese Weise die Sendeleistung deutlich reduzieren lässt. Am Ende kommt es immer auf die Empfangsleistung am Endgerät an. In den Werken werden die Sendeleistungen mit denen von WLAN vergleichbar sein.

Was ändert sich mit 5G für die Mitarbeiter?
Müller: Mit 5G werden wir komplett neue Fertigungskonzepte realisieren, ganz im Sinne unserer Vision der Fabrik der Zukunft. Dies geht natürlich einher mit einer Weiterqualifizierung der Mitarbeiter. Der neue Mobilfunkstandard hat das Potenzial, die Arbeit der Mitarbeiter in Produktion und Logistik zu vereinfachen und zu verbessern. Und darum geht es.


Kontakt zu Bosch

Robert Bosch GmbH
Robert-Bosch-Platz 1
70839 Gerlingen-Schillerhöhe
Tel.: +49 711 4004 0990
E-Mail: kontakt@bosch.de
Website: www.bosch.de

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