Elektromobilität

Boom in China, Europa wartet ab

E-Autos
Die Autohersteller brachten 2018 mehr als 90 neue E-Autos –rein batteriebetriebene Fahrzeuge und Plugin-Hybride – auf den Markt. Bis 2020 werden mehr als 300 weitere Modelle ihre Weltpremiere feiern. Bild: Harting
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2018 wurden weltweit erstmals mehr als zwei Millionen Elektroautos verkauft – davon über die Hälfte in China. Der Markt dort wuchs 2018 um 85 Prozent, während das Plus in Europa nur 38 Prozent betrug. In Deutschland wurden 2018 knapp über 70.000 Elektrofahrzeuge neu zugelassen – ein Marktanteil von 1,9 Prozent. Damit liegt die Bundesrepublik im weltweiten Vergleich auf Rang 4: Nur in China (1,1 Millionen Autos,  3,9 Prozent Marktanteil), USA (360.000 – 2,1 Prozent) und Norwegen (74.000 – 39,3 Prozent) wurden mehr E-Autos verkauft.

Und noch eine wichtige Marke wurde 2018 übersprungen: Erstmals waren mehr als fünf Millionen E-Autos auf den Straßen unterwegs, fast die Hälfte davon in China. Das Reich der Mitte behauptet damit auch seine Spitzenposition im aktuellen McKinsey Electric Vehicle Index (EVI), in dem die Unternehmensberatung regelmäßig die Entwicklung der E-Mobilität in den 15 wichtigsten Ländern misst.

Kundennachfrage zieht deutlich an

„In China sieht man die größte Beschleunigung bei der Elektromobilität. Das Land zeigt, wie weit die Elektromobilität sein kann, wenn ein Land die strategische Bedeutung erkennt und dafür ein Ökosystem von Autoherstellern, Ladestationen, Batterie- und Rohstoffversorgung sowie staatlicher Förderung etabliert“, erläutert Nicolai Müller, Seniorpartner von McKinsey. „Viele Kunden weltweit haben mittlerweile ein echtes Interesse an E- Autos.“

Die Autohersteller brachten 2018 mehr als 90 neue E-Autos –rein batteriebetriebene Fahrzeuge und Plugin-Hybride – auf den Markt. Bis 2020 werden mehr als 300 weitere Modelle ihre Weltpremiere feiern. „Die Auswahl ist in allen Segmenten deutlich größer geworden“, konstatiert Müller. Chinesische Käufer konnten beispielsweise unter 150 Modellen wählen – Deutschland liegt in puncto Angebotsvielfalt mit 65 verfügbaren E-Autos – darunter 20 SUVs – weltweit auf dem zweiten Platz. Gleichzeitig bleiben die Förderungsprogramme für die E-Mobilität auf hohem Niveau: Während für die meistverkauften Modelle in Deutschland im Schnitt Prämien und Steuererleichterungen von 17 Prozent des Verkaufspreises gewährt werden, sind es in China 23 Prozent und in Norwegen sogar 35 Prozent. Der weitere Markthochlauf werde in Zukunft stark von der Ladeinfrastruktur und der Kostenentwicklung abhängen, so McKinsey.

Global meistverkauftes E-Auto war 2018 der Tesla Model 3 mit 146.000 Einheiten und damit einem Anteil von sieben Prozent. Mit knapp 250.000 Verkäufen war Tesla auch die weltweit führende Marke vor BYD und Beijing Auto. Mit BMW (125.000 verkaufte E-Autos) und VW (52.000) konnten sich zwei deutsche Unternehmen in den Top Ten platzieren. „E-Auto-Märkte funktionieren derzeit noch sehr lokal“, sagt Müller. In allen großen untersuchten Märkten dominieren heimische Hersteller: In China finden sich nur chinesische Anbieter unter den Top 5 der verkauften Modelle, in den USA sind vier der fünf lokale Anbieter; ebenso in Deutschland.

Europa muss aufpassen

„Schaut man sich die Produktpipeline der deutschen Hersteller an, werden wir in den kommenden Jahren ein echtes Modellfeuerwerk erleben“, so Müller. Der Anteil Deutschlands der weltweiten E-Auto-Produktion wird dann von heute 14 Prozent auf rund ein Viertel im Jahr 2024 ansteigen.

Die Batterieproduktion wird aktuell von asiatischen Unternehmen dominiert: Die Top-10 weltweit haben 88 Prozent Markanteil – und neun dieser zehn Unternehmen kommen aus Asien. „Europa muss hier als Automobilstandort aufpassen, sich nicht langfristig abhängig zu machen“, mahnt Müller. (ig)

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