M&A-Markt

Carve-outs, Aktivisten und hohe Synergieziele

Carve-outs und Spin-offs von Unternehmen haben deutlich zugenommen. So lag ihre Anzahl 2017 rund 60 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt seit 1996. Bild: Creadis
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Das weltweite M&A-Geschäft hat kräftig angezogen. Im Zeitraum von Januar bis November 2018 stieg das Gesamtvolumen der angekündigten M&A-Deals auf rund 3,9 Billionen US-Dollar. Damit lag es 29 Prozent über dem Vorjahreswert. Ein Grund: Die Zahl der Mega-Transaktionen über zehn Milliarden US-Dollar hat zugenommen. In Deutschland übertraf die Entwicklung des M&A-Geschäfts den globalen Trend. Mit einem angekündigten Transaktionswert von 232 Milliarden US-Dollar bis November 2018 liegt das Deal-Volumen schon jetzt 28 Prozent über dem Gesamtwert 2017.

Carve-outs und Spin-offs von Unternehmen haben deutlich zugenommen. So lag ihre Anzahl 2017 rund 60 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt seit 1996. „Für Unternehmenslenker rückt die Wertsteigerung für ihre Shareholder klar in den Fokus ihres Handelns“, sagt Christoph Seidel, Managing Director und Head of M&A in Deutschland und Österreich bei J.P. Morgan. „Besonders bei DAX- und MDAX-Unternehmen ist daher eine zunehmende Fokussierung auf das Kerngeschäft erkennbar, die häufig Carve-outs oder Spin-offs von Bereichen außerhalb des Kerngeschäfts zur Folge hat.“ Jens Kengelbach, Senior Partner und Global Head of M&A bei BCG, erklärt: „Die Unternehmensbewertungen haben sich auch 2018 auf einem sehr hohen Niveau bewegt und die Unternehmen dazu veranlasst, Marktchancen zu nutzen, indem sie Unternehmensanteile verkaufen.“

In den ersten drei Quartalen 2018 lagen die Bewertungen bei Übernahmen rund 15 Prozent über dem langfristigen Durchschnitt (1990-2017). „Auch wenn das Transaktionsklima in den nächsten Monaten rauer werden sollte, bleibt es eine wichtige Aufgabe der Unternehmen, ihr Portfolio klar auf die Märkte der Zukunft auszurichten“, so der M&A-Experte von BCG. Dr. Martin Ulbrich, M&A Partner bei Hengeler Mueller, erläutert die damit verbundenen praktischen und rechtlichen Herausforderungen: „Carve-out-Prozesse sind oft sehr komplex und die Anforderungen an Organisation und Prozessführung durch den Veräußerer sehr hoch. Gründliche Vorbereitung und ein klares Konzept sind für gute wirtschaftliche Resultate unerlässlich.“

Synergieziele nahezu verdoppelt

„Aufgrund der hohen Bewertungen rücken Synergien immer mehr in den Fokus der Käufer“, erklärt Jens Kengelbach. Die erwartete Wertschöpfung durch Synergieeffekte ist 2017 auf durchschnittlich 2,1 Prozent des kombinierten Umsatzes vor dem Zusammenschluss gestiegen, wie der aktuelle M&A-Report „Synergies Take Center Stage der Boston Consulting Group in Kooperation mit der Universität Paderborn  zeigt. Der Wert ist damit nahezu doppelt so hoch wie 2011, als dieser bei 1,1 Prozent lag. „Von den Synergieeffekten profitieren mittlerweile mehrheitlich die Aktionäre des Verkäufers – anders als noch vor zehn Jahren“, fügt Kengelbach hinzu. Während die Anteilseigner des Käufers damals rund zwei Drittel der Synergien für sich beanspruchten, geben sie inzwischen knapp über die Hälfte an die Anteilseigner des übernommenen Unternehmens ab, so die Zahlen von BCG.

Deutsche Unternehmen werden Ziel aktivistischer Investoren

Die hohen Investitionen seitens aktivistischer Investoren halten an. Für 2018 rechnen die Experten von BCG mit einem ähnlich hohen Niveau wie im vergangenen Jahr. 2017 hatten die Aktivisten in Europa doppelt so viel Geld in Kampagnen investiert wie im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2016. „Deutsche Unternehmen rücken immer stärker in den Fokus aktivistischer Investoren. Jedes vierte DAX-Unternehmen war schon mindestens einmal Ziel einer aktivistisch geprägten Kampagne“, beschreibt Kengelbach. Christoph Seidel von J.P. Morgan ergänzt: „Unternehmen sollten frühzeitig in eine aktive Kapitalmarktkommunikation investieren und den Dialog mit Investoren ausbauen. Unternehmen, die die Vorgehensweise der Aktivisten antizipieren, können rechtzeitig gezielt gegensteuern und im Ernstfall schneller reagieren.“ Auch Dr. Martin Ulbrich von Hengeler Mueller empfiehlt: „Es zahlt sich aus, das eigene Unternehmen kritisch durch die Brille eines möglichen Aktivisten zu betrachten. Solide Vorbereitung auf Kampagnen ist mittlerweile unerlässlich.“

Anspruchsvoller rechtlicher Rahmen erschwert internationale Transaktionen

Nachdem die deutschen Vorschriften über die Prüfung von Investitionen von außerhalb der EU/EFTA erst im vergangenen Jahr verschärft wurden, diskutiert die Bundesregierung aktuell die nächste Ausweitung durch eine Absenkung der maßgeblichen Beteiligungsschwellen und hat zudem bei 50Hertz und Leifeld Metal Spinning Investitionen durch chinesische Investoren verhindert. Parallele Entwicklungen sind in anderen Industrienationen zu beobachten. „Um bei globalen M&A-Prozessen Risiken für die Transaktionssicherheit auszuschließen, müssen Verkäufer insbesondere in sensitiven Sektoren das regulatorische Umfeld und das Bieterfeld genau analysieren“, sagt Dr. Martin Ulbrich.

Für 2019 sehen die Experten von J.P. Morgan weiterhin negative Auswirkungen der sich verschärfenden Regulierung und des wachsenden Protektionismus auf die M&A-Branche, speziell im Bereich grenzüberschreitender Mega-Transaktionen. Dabei sind beispielsweise die Akquisitionen chinesischer Investoren in der EU schon jetzt rückläufig. In den ersten neun Monaten 2018 kauften diese für 5,5 Milliarden US-Dollar europäische Unternehmen zu, was einem Rückgang von 74 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht und 75 Prozent unter dem Durchschnittswert der Jahre 2013 bis 2017 liegt, so der M&A Report von BCG. (ig)

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