Klimawandel

Chancen für Industrie und Standort jetzt nutzen

Erfolgreicher Klimaschutz und eine weitgehende Vermeidung von Treibhausgasen sind möglich, wenn der Einsatz modernster Klimaschutztechnologien gesichert wird. Bild: Zukunftsinstitut
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Die Klimaziele 2050 stellen die deutsche Volkswirtschaft vor große Herausforderungen, darin sind sich VDMA, ZVEI und VCI einig, wie sie anlässlich der Präsentation der BDI-Studie „Klimapfade für Deutschland“ verlauten ließen. Die Studie zeige, dass auch das 80-Prozent-Ziel schon große Anstrengungen erfordere, darunter enorme Forschungsaufwendungen und Investitionen, die ohne massive politische Fördermaßnahmen nicht zu stemmen seien. Auch mehr gesellschaftliche Akzeptanz sei nötig.

Erfolgreicher Klimaschutz und eine weitgehende Vermeidung von Treibhausgasen sind möglich, wenn der Einsatz modernster Klimaschutztechnologien gesichert wird. Die Maschinenbauer in Deutschland wollen sich der Verantwortung stellen, diese Technologien mit zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Sie tragen damit ihren Teil zur Erreichung der Klimaziele sowohl international als auch national bei. Klimaschutz bietet allen Ländern die Chance, eine Vielzahl von Wirtschaftssektoren im In- und Ausland umfassend zu modernisieren. „Europa ist heute noch der Leitmarkt für Klimaschutztechnologien, aber die Wettbewerber in China, USA oder Japan holen rasch auf“, kommentiert VDMA-Präsident Carl Martin Welcker. „Nur in einem ambitionierten und technologieoffenen Heimatmarkt kann Deutschland hier seine führende Rolle behaupten.

Der VDMA bekräftigt daher die Ergebnisse der BDI-Klimapfade-Studie: Das nationalen Klimaziel, das als Korridor festgelegt sei, könne bis zum Jahr 2050 erreicht werden und zugleich wirtschaftliche Chancen eröffnen, wenn die Weichen richtig gestellt würden. Das bedeutet aus Sicht des VDMA, dass die  Entwicklung neuer Klimaschutztechnologien muss umfangreich und ideologiefrei ermöglicht und wie andere Zukunftstechnologien auch gefördert werden. Der Staat darf nicht einzelne Technologien bevorzugen. Infrastruktur-Entscheidungen muss Technologiewettbewerb vorausgehen.

Angestrebt wird ein Zielkorridor, der die Treibhausgasmenge bis 2050 um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zu 1990 verringert. Auch das obere Ende dieses Korridors ist gemäß der BDI-Studie wirtschaftlich verkraftbar, wenn Klimaschutz nicht im nationalen Alleingang erfolgt. Klimaziele müssen mit großer unternehmerischer Freiheit angesteuert werden.

Sinnvolle Investitionsanreize

Aus Kostengründen hält es der Verband der Maschinenbauer in Deutschland für richtig, für die Klimaziele 2020 keine zeitliche Punktlandung mehr anzustreben. Umso wichtiger sei es daher, schnell und verbindlich auf den Weg zu den Klimazielen 2030 zurückzukehren. Die vorliegenden Sondierungsergebnisse von Union und SPD zur Regierungsbildung seien in dieser Frage noch zu vage. Die Politik müsse im Klimaschutz sinnvolle Investitionsanreize für alle Wirtschaftsbereiche schaffen und Lösungen suchen, die Abwanderung von Wertschöpfung zu verhindern.

Das formulierte politische Klimaschutzziel, die CO2-Emissionen bis 2050 um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, ist technologisch und volkswirtschaftlich zu erreichen, lautet ein zentrales Ergebnis der heute veröffentlichten BDI-Studie „Klimapfade für Deutschland“. Das 95-Prozent-Reduktionsziel sei dagegen deutlich schwieriger umzusetzen und an zahlreiche Bedingungen wie eine global harmonisierte Klimapolitik geknüpft. „Die Studie zeigt große Chancen für die deutsche Industrie und Deutschland insgesamt, die wir konsequenter als bisher nutzen müssen“, erklärt ZVEI-Präsident Michael Ziesemer. „Die Energiewende kann wirtschaftlich erfolgreich gestaltet werden.“

Innovationsfreundliches Umfeld für Schlüsseltechnologien

Vordringliche Aufgabe der Politik muss es nach Ansicht des ZVEI jetzt sein, die Digitalisierung und den Umbau des Energiesystems zusammenzuführen. „Wenn wir im eigenen Land zeigen, wie durch die erneuerbaren Energien, Digitalisierung und Energieeffizienz ein leistungsstarkes Energiesystem entsteht, können wir mit unseren Technologien auch Exporterfolge erzielen und den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken“, so Ziesemer. Die Bundesregierung solle daher ihre internationalen Klimaschutzambitionen mit einer aktiven Exportförderung verbinden und für Schlüsseltechnologien ein starkes innovationsfreundliches Umfeld schaffen. „Unser Ziel muss sein, die Innovationsführerschaft im Bereich der Klimaschutztechnologien weiter auszubauen“, so der ZVEI-Präsident. „Hieraus entstehen bedeutende Impulse für Wachstum und Beschäftigung.“

Möglichkeiten zur Energieeinsparung stelle die Studie für nahezu alle Sektoren fest. „Hohe Potenziale können zusätzlich durch Sektorkopplung zwischen Strom, Wärme und Verkehr erzielt werden. Die dafür notwendigen Technologien liegen vor und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele“, erklärt Ziesemer. „Mehr als bisher müssen sie jetzt eingesetzt werden.“

Wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Umbauprozess

VCI-Präsident Kurt Bock unterstreicht, dass die Chemiebranche einen weltweit ambitionierten Klimaschutz unterstützt und daran intensiv mitarbeitet: „Wir tun das in zweifacher Weise – mit unseren innovativen Produkten und Technologien und in unserer eigenen Produktion, die wir immer energie- und ressourceneffizienter machen.“ Der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Kurt Bock, weißt außerdem auf den erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbauprozess und den damit verbundenen hohen Investitionsbedarf hingewiesen, der aus der Klimapfadestudie hervorgeht. „Die BDI-Studie zeigt, dass das Klimaschutzziel von 80 Prozent bis 2050 technologisch möglich ist, aber eine echte Herkulesaufgabe wird. Der Investitionsbedarf ist mit 1,5 Billionen Euro für die deutsche Volkswirtschaft eine riesige Herausforderung.“

Doch Geld alleine reiche nicht aus. Deutschland brauche zugleich innovative Lösungen für viele offene Fragen, so Bock weiter. Er wies darauf hin, dass schon das 80-Prozent-Ziel als untere Grenze des deutschen Klimaziels neben einem drastischen Umbau der Energieinfrastruktur gleichzeitig enorme Forschungsaufwendungen nach sich ziehen müsse. Viele der nötigen Maßnahmen seien nach heutigem Stand nicht wirtschaftlich und würden sich daher nicht allein über den Markt ergeben. „Ohne massive politische Fördermaßnahmen sind die nötigen Investitionen betriebswirtschaftlich nicht abbildbar“, ist Kurt Bock überzeugt. „Zudem brauchen wir eine breite gesellschaftliche Akzeptanzdebatte.“ Mehr Akzeptanz sei sowohl für die nötigen Ausgaben für den Klimaschutz als auch für einzelne Aspekte wie den Bau von Stromnetzen oder für CO2-emissionsfreie Fahrzeuge und Gebäude unerlässlich.

Weltweit ambitionierter Klimaschutz

Das noch weiter gehende Szenario einer Reduktion um 95 Prozent bis zum Jahr 2050 sei aus Sicht der Studie unrealistisch. In einem solchen Szenario würde die Akzeptanz der Klimaschutzmaßnahmen durch deren erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft in Frage gestellt.

Bock unterstrich, dass die Chemiebranche einen weltweit ambitionierten Klimaschutz unterstütze und daran intensiv mitarbeite. Daher ist es laut Bock auch kontraproduktiv, wenn die Politik energieintensive Branchen überlaste: „Die Politik muss im Blick behalten, dass unsere Produkte häufig die Voraussetzung dafür schaffen, dass unsere Kunden Treibhausgase vermeiden können“, erläutert der VCI-Chef. „Der Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit durch Ausgleichsmaßnahmen zusätzlicher Kosten für energieintensive Branchen ist daher ein integraler Bestandteil einer erfolgreichen Klimapolitik.“ (ig)

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