Umweltschutz

Deutsche Automobilmanager gegen generelles Tempolimit

Tempolimit
Nur 29 Prozent sehen darin eine Chance, etwa um Motoren zu verkleinern. Drohende Dieselfahrverbote betrachten 54 Prozent der Führungskräfte als Risikofaktor, während ein Drittel darin neue Potentiale erkennt. Bild: ADAC
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Politische Entwicklungen auf nationaler wie internationaler Ebene bremsen die Euphorie der Automobilbranche, wie eine aktuelle Umfrage von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, ergibt. So zeigt sich die Mehrheit der etwa 200 Befragten durch die aktuellen Diskussionen zu einem generellen Tempolimit auf deutschen Autobahnen beunruhigt. 49 Prozent geben an, eine entsprechende Beschränkung wäre ein Hemmnis für ihr Geschäftsmodell.

Neben der Dieselkrise oder dem Wandel hin zum elektrischen Fahren stellen auch Regulierungen die deutsche Automobilbranche 2019 vor große Herausforderungen. Nur 29 Prozent sehen darin eine Chance, etwa um Motoren zu verkleinern. Drohende Dieselfahrverbote betrachten 54 Prozent der Führungskräfte als Risikofaktor, während ein Drittel darin neue Potentiale erkennt. Neben den Folgen des Brexits (62 Prozent) bereiten den Managern global vor allem der Handelskonflikt zwischen den USA und China (60 Prozent) sowie die abkühlende Konjunktur (58 Prozent) Sorgen. Insbesondere der seit 20 Jahren zum ersten Mal geschrumpfte chinesische Automarkt führt bei 40 Prozent der Befragten zu Angst vor drohenden Umsatzrückgängen von mehr als zehn Prozent.

„Internationale Krisen und schwächelnde Kernmärkte machen der Branche gerade in einer Phase zu schaffen, in der große Investitionen in Zukunftsthemen wie das autonome Fahren oder auch vernetzte Mobilitätsdienstleistungen gefragt wären. Bei rückläufigen Absatzzahlen und einer hohen Innovationsgeschwindigkeit der Tech-Branche steigt der Kooperationsdruck vor allem bei Herstellern und großen Zulieferunternehmen, um sich im unbeständigen Handelsklima zu behaupten“, erläutert Felix Kuhnert, Partner und Global Automotive Leader von PwC.

Auch die Elektrifizierung sorgt für Unsicherheit: Unter den Automotive-Führungskräften geben 77 Prozent an, besonders bei der Entwicklung von Batterietechnologie unter enormem Innovationsdruck zu stehen. Weniger als die Hälfte der deutschen Unternehmen aus der Branche (48 Prozent) fühlt sich in diesem Zukunftsfeld gut vorbereitet. Dabei messen die befragten Manager der Elektromobilität für die kommenden Jahre ein großes Umsatzpotential zu. 43 Prozent gehen davon aus, dass die Zulassungen von E-Autos bis 2020 zwischen zehn-20 Prozent steigen werden und ein Fünftel der Befragten erwartet sogar Zuwächse von über 20 Prozent. Der Markteintritt zahlreicher Start-ups aus dem Bereich Elektromobilität spaltet die Branche – 53 Prozent der Führungskräfte räumen ihnen gute Erfolgsaussichten ein, 45 Prozent schätzen die Chancen der Neugründungen als gering ein.

Agile Geschäftsmodelle

„Statt Start-ups, die Elektromobilität ideenreich auf die Straße bringen, skeptisch zu beäugen, sollten Hersteller und Zulieferer strategische Kooperationen eingehen oder von agilen Geschäftsmodellen profitieren. So bauen sie Kompetenzen in diesem Bereich aus und können sich auch zukünftig gegen Wettbewerber sowie neue Akteure behaupten“, kommentiert Heiko Weber, Partner und Automotive-Experte bei Strategy& Deutschland.

Die Frage, ob mehr Geschlechterdiversität in den Chefetagen einen positiven Effekt auf die strategische Ausrichtung ihres Unternehmens hätte, polarisiert die Branche: Zwar sagen 48 Prozent der Manager, dass mehr Frauen in der Führungsetage eine Chance für die zukünftige Strategieentwicklung wären. Gleichzeitig empfinden 30 Prozent einen höheren Frauenanteil als Hemmnis, das künftige Weichenstellungen negativ beeinflussen würde. (ig)

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