Märkte & Prognosen

Deutsche Autozulieferer: Umsätze durch Brexit in Gefahr

Ein harter Brexit würde die Umsätze deutscher Zulieferer, die aus der Verflechtung mit Großbritannien resultieren, im Brexit-Jahr 2019 um 23 Prozent von 16,4 auf 12,6 Milliarden Euro schrumpfen lassen. Bild: Big Data Insider
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Kommt es zu einem harten Brexit, wird dieser die deutsche Automobil-Zulieferindustrie hart treffen: Die Zulieferbranche müsste im Jahr des Ausscheidens mit Umsatzeinbußen in Höhe von 3,8 Milliarden Euro im Vergleich zu einem No-Brexit-Szenario rechnen. Laut einer aktuellen Deloitte-Studie gefährdet ein hartes Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der EU darüber hinaus und 14.000 Arbeitsplätze in Deutschland.

Sollten sich die Verhandlungspartner nicht einigen und es tatsächlich zu einem harten Brexit kommen, sind das alles andere als gute Voraussetzungen für die Arbeitsplätze in den Unternehmen der Automobilzulieferindustrie. Hier könnten nach Berechnungen des aktuellen Deloitte Brexit Briefings „Harter Brexit und die Lieferkette“ bis zu 14.000 Jobs gefährdet sein. Grund dafür ist die starke Verflechtung deutscher Zulieferer mit deutschen, britischen und anderen europäischen Automobilproduzenten auf zwei Ebenen: So beliefern deutsche Zulieferer die britische Autoindustrie direkt und sind zudem indirekt an der Produktion deutscher und anderer europäischer Exportwagen nach UK beteiligt. Durch die Einführung von WTO-Zöllen und einer dauerhaften Abwertung des Pfunds im Falle des harten Brexit sinkt laut Deloitte der Autoabsatz und die Automobilproduktion in UK trifft dies somit unmittelbar deutsche Automobilzulieferer, da nahezu jedes fünfte im Vereinigten Königreich verbaute Automobil-Teil aus deutscher Produktion stammt.

„Die Lieferketten der europäischen Automobilindustrie erstrecken sich über zahlreiche EU-Mitgliedsstaaten“, erklärt Dr. Thomas Schiller, Partner und Leiter Automotive bei Deloitte. Im Zuge des Brexits aufkommende Handelshemmnisse, wie Zölle oder Regulierungen, würden den Lieferketten erheblich schaden und dadurch die Kosten für Zulieferer und deren Abnehmer erhöhen“. Sinke der Absatz von Automobilen, sinke zwangsläufig auch der Absatz der Zulieferer. Tatsächlich sei Großbritannien der größte Absatzmarkt für deutsche Zulieferer innerhalb Europas. Ganze 18 Prozent aller dort verbauten Teile stammten aus deutscher Produktion. Zugleich produzierten rund 30 der größten deutschen Zulieferer im Vereinigten Königreich und seien somit unmittelbar an der dortigen Herstellung beteiligt. Der Umsatz, den deutsche Zulieferer aufgrund der britischen Automobilproduktion und des Marktes erzielten, belief sich laut Schiller 2016 auf 16,9 Milliarden Euro.

Über 40.000 Arbeitsplätze hängen in Deutschland am UK-Zuliefergeschäft

Entsprechend dem enormen Handelsvolumen und dem hohen Verflechtungsgrad der deutschen Zulieferindustrie mit Großbritannien wären bei einem harten Brexit zahlreiche Arbeitsplätze betroffen. Insgesamt 42.500 Arbeitnehmer sind laut des Deloitte-Reports mittelbar und unmittelbar vom Handel mit Großbritannien abhängig: 15.700 Mitarbeiter durch direkte Lieferbeziehungen, also die Belieferung britischer Autobauer, weitere 26.800 durch indirekte Lieferbeziehungen über die Beteiligung an der deutschen sowie EU-Autoproduktion für die Insel.

Käme es zu einem harten Brexit ohne spezielle Abkommen und Übergangsregelungen, dafür mit WTO-Zöllen und Wechselkurschwankungen, beträfe dies sowohl Im- wie Exporte des Königreichs. Deutsche und in der EU gebaute Autos in Großbritannien würden etwa 21 Prozent teurer, britische Fahrzeuge in der EU 13 Prozent. Aufgrund der möglichen Preissteigerungen, würden deutsche und europäische Automobilproduzenten etwa 650.000 Fahrzeuge in UK weniger in UK absetzen und die britische Automobilindustrie würde rund 120.000 Autos weniger produzieren.

Brexit betrifft Im- und Exporte des Vereinigten Königreichs

„Ein harter Brexit würde die Umsätze deutscher Zulieferer, die aus der Verflechtung mit Großbritannien resultieren, im Brexit-Jahr 2019 um 23 Prozent von 16,4 auf 12,6 Milliarden Euro schrumpfen lassen. Dies entspricht einem Rückgang von rund 5 Prozent der aktuellen Gesamtumsätze der deutschen Zuliefererbranche“, ergänzt Dr. Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte. (ig)

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