Märkte & Entwicklungen

Die Zukunft moderner Wertschöpfungsnetzwerke ist digital

Zukunft Wertschöpfungsnetzwerke digital
Der Wandel von traditionellen Supply Chains hin zu agilen Wertschöpfungsnetzwerken und deren Autonomisierung wird sich auf den gesamten Maschinen- und Anlagenbau auswirken. Bild: The Network Effect
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Industrie 4.0 bedeutet die vollständige digitale Durchdringung der Wertschöpfungskette und letztlich ihre Autonomisierung. Das wird nicht nur die Zukunft von Produktions- und Logistikprozessen innerhalb und außerhalb der Fabrik prägen, sondern hat auch Auswirkungen auf den gesamten Maschinen- und Anlagenbau. Impulse zu neuen Technologien wie autonome Maschinen und Blockchain sowie neue Geschäftsmodelle lieferte der vierte VDMA Future Business Summit in Dortmund, auf dem führende Experten aus Industrie und Wissenschaft die Ergebnisse der neuen Szenario-Studie „Autonomisierte Supply Chain 2030“ diskutierten.

Die Komplexität moderner Wertschöpfungsketten nimmt ständig zu, geprägt durch höhere Flexibilität, Geschwindigkeit und Individualisierung. Digitalisierung und Vernetzung machen diesen Prozess erst möglich und wirken als Taktgeber. „Um aus den Ideen für virtuelle vernetzte Welten Realität werden zu lassen, werden der Maschinenbau und seine Lösungen für die autonomisierte Supply Chain gebraucht“, erklärt Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer. Endkunden wollten bereits heute viel stärker mitbestimmen und ihre Ansprüche wüchsen. Sie wollten Produkte am liebsten sofort zur Verfügung haben und in Zukunft mit 3D-Druck womöglich noch selbst fertigen. Das allein werde einen fundamentalen Wandel anstoßen.

Der Mensch im Mittelpunkt

„Die Zukunft von Supply Chains steht in direkter Wechselwirkung mit den Entwicklungen der vierten Industriellen Revolution“, ist Professor Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, überzeugt. Dabei seien die Vernetzung und Kommunikation von Unternehmen, aber insbesondere auch die von Mensch und Technik ausschlaggebend. Die Gestaltung von Arbeit entwickle sich zu einer Kernfrage einer vernetzten Wirtschaft im Wandel. Industrie 4.0 und die Autonomisierung würden erst dann erfolgreich umgesetzt, wenn sie in der Gesellschaft akzeptiert würden, wenn nicht allein das technisch Machbare, sondern der Mensch im Mittelpunkt stehe. Das werde mit dem Begriff ‚Social Networked Industry‘ zum Ausdruck gebracht.“

„Plattformökonomie, autonome Mobilität, Blockchain und automatisierte Abrechnungssysteme definieren die Spielregeln neu. Neue Akteure mit datenzentrierten Geschäftsmodellen und disruptiven Technologien betreten die Bühne“, betonte Dr. Eric Maiser, Leiter des VDMA Competence Center Future Business. „Wir wollten mit Zukunftsszenarien herausarbeiten, welchen Einfluss das auf die internationalen Wertschöpfungsnetzwerke hat und wie Lösungen aussehen, vor allem solche, die den Maschinen- und Anlagenbau betreffen.“ Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI war erneut Partner in diesem Projekt.

Vier Szenarien, von beharrlichen Bewahrern bis mächtigen Treibern

Die Studie beschreibt in Zukunftsbildern, wie die Welt im Jahr 2030 aussehen könnte. Diese Bilder spitzen die möglichen Entwicklungen zu und schärfen so den Blick für Veränderungen mit Fokus auf den Maschinen- und Anlagenbau. Im Szenario ‚Beharrliche Bewahrer‘ bleibt die digitale Entwicklungsdynamik in vielen Bereichen deutlich zurück. Durch Abschottung sind Unternehmen zwar weniger angreifbar, allerdings besteht das Risiko, durch agile Unternehmen international überflügelt zu werden. Beim ‚Aufmerksame Verfolger‘-Szenario achten die Unternehmen auf den Wandel in den Wertschöpfungsnetzwerken, sind aber nicht als erste dabei, wenn es darum geht, neue Ansätze zu realisieren oder zu gestalten. Digitale Sicherheit wird als Differenzierungsmerkmal eingesetzt.

Das Szenario „Agile Sprinter“ ist progressiv: die Digitalisierung hat Supply Chains revolutioniert. Daten sind ein zentraler Bestandteil der Firmenkultur geworden. Der Handel damit hat einen erheblichen Anteil am Umsatz. Im ‚Mächtige Treiber‘-Szenario schließlich wird die Digitalisierung der Supply Chain durch globale Datenmakler und Internet-Unternehmen vorangetrieben. Für Maschinenbauer eine disruptive Veränderung mit Chancen hinsichtlich Markterweiterung, neuen Geschäftsmodellen und der Nutzung ausgedehnter Infrastrukturen.

Das Fazit von Elna Schirrmeister, stellvertretende Leiterin des Competence Center Foresight am Fraunhofer ISI, lautet: „Der Wandel von traditionellen Supply Chains hin zu agilen Wertschöpfungsnetzwerken und deren Autonomisierung wird sich auf den gesamten Maschinen- und Anlagenbau auswirken, egal welches Szenario eintritt. Insgesamt ist eine neue Sicht auf Wertschöpfungsnetzwerke nötig, die nachhaltig nur funktionieren können, wenn ein Höchstmaß an Kooperation und Datenmanagement zur Normalität wird.“ (ig)

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