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Interview mit Svolt-Europa-Chef Kai-Uwe Wollenhaupt: "Befinden uns im Austausch mit allen europäischen OEMs"

Interview
Svolt-Europa-Chef Wollenhaupt: „Befinden uns im Austausch mit allen europäischen OEMs“

Kai-Uwe Wollenhaupt, President Europe & Vice President Svolt Energy Technology von Svolt
Kai-Uwe Wollenhaupt ist President Europe & Vice President Svolt Energy Technology von Svolt.
Bild: Svolt

Der erste Spatenstich ist für das dritte Quartal dieses Jahres vorgesehen, Ende 2023 soll in Überherrn im Saarland dann produziert werden: Der chinesische Batteriehersteller Svolt kommt nach Europa. Im Interview mit industrie.de spricht der President Europe & Vice President Svolt Energy Technology von Svolt, Kai-Uwe Wollenhaupt, über Umweltprobleme, die Pläne von Svolt und die Antriebsarten der Zukunft. 

Industrie.de: Beim Thema Zellen-Fertigung denken die wenigsten ans Saarland. Svolt baut dort jetzt eine Batteriezellfabrik. Am Ende hat sich der Standort gegen 31 andere in Europa durchgesetzt. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Kai-Uwe Wollenhaupt: Genau, auf der Suche nach einem passenden Standort prüfte Svolt zwischen Oktober 2019 und September 2020 32 Standorte in ganz Europa in einem intensiven Auswahlprozess. Letztendlich fiel die Wahl auf das Saarland. Denn als moderner Industrie-, Logistik- und Innovationsstandort bietet das Bundesland Svolt nicht nur die Möglichkeit, hochqualifizierte Mitarbeiter zu akquirieren und weiterzuentwickeln, sondern zeichnet sich darüber hinaus durch seine zentrale Lage im Zentrum des europäischen Wirtschaftsraums, eine hervorragende Infrastruktur sowie ein ebenso florierendes wie inspirierendes Umfeld mit international erfolgreichen Unternehmen aus.

Umgesetzt wird das Großprojekt im Rahmen einer Partnerschaft zwischen Svolt, der Shs Strukturholding Saar GmbH sowie dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr Saarland. Dabei beauftragt Svolt die Shs mit der Errichtung und dem schlüsselfertigen Aufbau der beiden Fabriken. Das saarländische Wirtschaftsministerium und die Shs haben die Gespräche mit Svolt von Beginn an sehr hochrangig geführt und eng in der Landesregierung koordiniert. Diese Unterstützung hat zusätzlich überzeugt.

Svolt prüft Bau weiterer Fabriken in Europa zu gegebener Zeit

Ende des Jahres soll mit dem Bau der Zellfabrik begonnen werden. Gibt es Pläne, in Deutschland oder Europa weitere Fabriken zu bauen?

Wollenhaupt: Pläne für mögliche weitere Fabriken in Deutschland und Europa werden zu gegebener Zeit geprüft.

Weltweit plant Svolt den Aufbau von 200 GWh Batteriezell-Produktionskapazitäten. Für China sind 20 GWh in Suining, 18 GWh in Jintan, 40 GWh in den Provinzen Hunan und Hubei sowie 20 GWh in Huzhou geplant sowie das Batteriezellwerk im Saarland, das in seiner finalen Ausbaustufe eine Kapazität von 24 GWh erzielen soll. 90 GWh befinden sich derzeit noch in der Evaluierungsphase. Darüber hinaus entstehen mehrere Modul- und Battery-Pack-Werke entsprechend dem Kundenbedarf. 

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Lithium-Abbau in Südamerika, Trinkwasser in Saarlouis: Was entgegnen Sie Kritikern, die die Batterie-Herstellung besonders aus Umweltgesichtspunkten verteufeln?

Wollenhaupt: Svolt sind nachhaltige Produktionsprozesse sowie eine transparente Lieferkette bis hin zur Mine sehr wichtig. So sind sowohl die Produktion als auch die Lieferkette nach internationalen Standards aufgesetzt und werden regelmäßig auditiert.

Darüber hinaus arbeitet Svolt an nachhaltiger Produktion sowie Konzepten und Lösungen für das Recycling von Batterien und Batteriesystemen. Ziel ist ein nachhaltiger, verantwortungsbewusster Umgang mit den natürlichen Ressourcen und die Gewährleistung eines geschlossenen Ressourcen-Kreislaufs. Künftig werden etwa alle Produkte in der Fabrik im Saarland mit 100 Prozent „grünem Strom“ produziert.

„Svolt arbeitet stetig an der Weiterentwicklung der Produktionstechnologien und -prozesse“
— Kai-Uwe Wollenhaupt, Europa-Chef von Svolt

Um den Frischwasser-Anteil in der Produktion weiter zu reduzieren, plant Svolt vielfältige Maßnahmen. So soll der Frischwasser-Verbrauch durch geschlossene Kreisläufe, optimierte Kühltechnik sowie den Einsatz von Brauch- und Regenwasser deutlich reduziert werden. Darüber hinaus wird der Regenwasser-Speicher zur Vorkühlung des Kühlwassers genutzt werden. Auch arbeitet Svolt stetig an der Weiterentwicklung der Produktionstechnologien und -prozesse, um den Ressourcen- und Materialverbrauch zu senken. Dazu entwickelt Svolt unter anderem sogenannte Trockenbeschichtungs-Systeme. Diese reduzieren den Einsatz von Lösungsmitteln sowie den Wasserverbrauch signifikant.

Zudem arbeiten wir an Lösungen, um den CO2–Fußabdruck der Produktion kontinuierlich zu verkleinern. Dies bezieht sich nicht nur auf die Produktion, sondern auf die gesamte Lieferkette. Besonderes Augenmerk liegt hier auf der sozialverträglichen Auftragsvergabe an Rohmateriallieferanten sowie der Selektion von europäischen Partnern für den Bedarf der europäischen Fabriken.

Nickel-Mangan-Zellchemie (NMX): hohe Energiedichte, lange Lebenszeit

Kobalt aus dem Kongo: Ihr Unternehmen stellt seit Kurzem Batterien ohne Kobalt her. Catl bietet seit Mitte des vergangenen Jahres Batterien ohne Kobalt und ohne Nickel an. Welche Richtung will Svolt hier einschlagen?

Wollenhaupt: Als systemischer Anbieter entwickelt und produziert Svolt für den Automotive-Sektor optimierte Lithium-Ionen-Batterien. Dazu zählen neben Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) und Lithium-Nickel-Kobalt-Mangan–(NCM)-Batterien, auch die neuartigen kobaltfreien Batterien (NMX).

Mit der Nickel-Mangan-Zellchemie (NMX) sind wir in der Lage, Hochnickel-Batteriezellen zu produzieren, die komplett ohne das umstrittene Schwermetall Kobalt auskommen. Das macht die neuartigen Batteriezellen nachhaltiger und rund fünf Prozent preiswerter als Hochnickel-Zellen mit herkömmlicher NCM-Zellchemie. Svolt ist damit das erste Unternehmen, dem es gelungen ist, eine Hochnickel-Zellchemie ohne Kobalt zu stabilisieren und zu industrieller Serienreife zu bringen.

Svolt habe es geschafft, Hochnickel-Zellchemie ohne Kobalt zur industriellen Serienreife zu bringen

Gleichzeitig erzielt Svolt mit NMX eine Energiedichte, die mit der von NCM-Batteriezellen vergleichbar ist, während die Batteriezellalterung und die Produktlebenszeit im Einsatz deutlich besser abschneiden. Mit NMX bieten wir ein einzigartiges Produkt, welches langlebiger, preiswerter und nachhaltiger ist als die heute im Markt verfügbaren Lösungen. Generell setzen wir bei Svolt auf den bewussten Verbraucher, dem Nachhaltigkeit wichtig ist. Bereits Mitte 2021 wird die kobaltfreie NMX-Batterie in Fahrzeugen verbaut und den Kunden und Verbrauchern angeboten werden.

Vor ein paar Jahren wurden Unternehmen wie Huawei und Xiaomi noch belächelt, weil ihre Smartphones billige Abklatsche von US-Amerikanischen Modellen waren. Das Bild hat sich gewandelt, Huawei etwa produziert mittlerweile Premium-Smartphones. Wie lange dauert es noch, bis chinesische Hersteller erschwingliche E-Autos mit guter Qualität auf den europäischen Markt bringen, die mit Tesla oder VW konkurrieren können?

Wollenhaupt: Wettbewerbsfähige Modelle, zum Beispiel der Ora R1 von Great Wall Motors, werden bereits nach internationalen Standards entworfen und gebaut und haben definitiv internationale Märkte im Visier, einschließlich Europa.

Mit welchen Autoherstellern sind Sie derzeit in Abnahmegesprächen? Gibt es schon unterzeichnete Verträge?

Wollenhaupt: Svolt befindet sich derzeit im Kontakt und im Austausch mit allen europäischen OEMs. Erste Kundenprojekte sind bereits mit europäischen Kunden vereinbart und befinden sich gegenwärtig in der Umsetzungsphase.

Batterien von Svolt sind aktuell in über 70.000 aktiven E-Fahrzeugen von Great Wall Motors verbaut. Die Analyse der Daten aus dem Real-Betrieb unterstützt Svolt nicht nur dabei, bestehende Systeme zu optimieren und bessere Produktdesign-Entscheidungen zu treffen, sondern kommt insbesondere auch den Herstellern zugute, die ihren Kunden auf dieser Basis intelligente Batterie-Monitoring und -analysedienste zur Verfügung stellen können.

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Gehört Elektro die Zukunft oder feiert der Verbrenner überraschend ein Comeback?

Wollenhaupt: An ein Comeback des Verbrenners glaube ich nicht. Der Bedarf der Automobilindustrie an Batterien wird in den kommenden Jahren enorm wachsen. Es gibt Prognosen, die allein in Europa einen Bedarf von 500 GWh bis 2030 voraussagen. Die Zukunft der Elektromobilität wird jetzt gestaltet. Deshalb ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, als innovatives Unternehmen, das den Massenmarkt – nicht nur Millionäre – bedienen will, jetzt in Europa zu investieren und hier einen lokalen Fußabdruck aufzubauen.

„An ein Comeback des Verbrenners glaube ich nicht“
— Kai-Uwe Wollenhaupt

Auch innerhalb unserer eigenen Organisation ist die Förderung der Elektromobilität ein zentrales Anliegen. So sind vollelektrische Dienst- und Poolfahrzeuge bereits heute Standard bei Svolt. Darüber hinaus prüfen wir derzeit weitere Angebote zur Elektromobilität für die künftigen Mitarbeitenden. Dazu gehört die Ausrüstung der Pkw-Stellplätze mit Ladeinfrastruktur ebenso wie die Bereitstellung von E-Bikes und die Umsetzung des internen Werksverkehrs sowie des Lkw-Pendelverkehrs vorrangig mit E-Fahrzeugen.

Wollenhaupt: Wasserstoff ist eine vielversprechende Technologie

Gibt es für Elektroautos in naher Zukunft ernsthafte Konkurrenz?

Wollenhaupt: Wasserstoff ist ebenfalls eine vielversprechende Technologie – etwa für den industriellen Einsatz, aber auch in bestimmten Bereichen des Mobilitätsmarktes. Auch für wasserstoffbasierte Antriebe wird im Übrigen eine Batterielösung für den Einsatz im Fahrzeug benötigt. Diese ist zwar kleiner als bei einem heutigen E-Fahrzeug, aber nichtsdestotrotz zwingend erforderlich.

Wir halten die Elektromobilität für die derzeit marktreife und zu massenkompatiblen Preisen verfügbare Technologie, um die Flottenemissionen zu senken und damit zum Klimaschutz beizutragen. Dazu trägt bei, dass nach derzeitigem Stand der Technik der Gesamtwirkungsgrad (Tank-to-Wheel, TTW), der die Energiewirk-Kette eines Fahrzeugs vom Zeitpunkt der Energieaufnahme – etwa an der Ladesäule – bis zur Entladung unterwegs auf der Straße beschreibt, beim heutigen E-Auto weitaus höher liegt als bei einem Wasserstoffauto. Auch sind die Gesamtkosten für die Technologie im Fahrzeug sowie für die notwendige Infrastruktur deutlich höher als beim E-Auto.

Daher setzt Svolt auf die Produktion der marktfähigen Technologie sowie deren Weiterentwicklung. Aber auch für Innovationen im Bereich Wasserstoff ist Svolt schon heute gut aufgestellt und wird auch diesen Bedarf mit modernster Energiespeichertechnik versorgen. So bringt das Schwesterunternehmen Great Wall Motors etwa derzeit ein mit Brennstoffzellen betriebenes Fahrzeug heraus.

Die Fragen stellte Thomas Wagner.


Kontakt zu Svolt

Svolt Energy Technology (Europe) GmbH
De-Saint-Exupéry-Straße 10
60549 Frankfurt am Main
Tel.: +49-69-46992753
E-Mail: info@svolt-eu.com
Website: www.svolt-eu.com


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