Maschinenbau

Maschinenbau-Gipfel: Freien Handel fördern und Bürokratie senken

Bundeskanzlerin Merkel auf Maschinenbau-Gipfel 2019
(Bild: Anna McMaster)
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Am 15. und 16.10.2019 hat in Berlin der 11. Deutsche Maschinenbau-Gipfel stattgefunden. Bundeskanzlerin Merkel sprach sich vor  rund 700 Teilnehmern für einen Bürokratieabbau aus. Carl Martin Welcker, VDMA-Präsident, forderte ein stärkeres Vorgehen beim Klimaschutz. 

„Der Mittelstand des deutschen Maschinenbaus benötigt offene Märkte und eine Regierung, die sich mit aller Kraft für den Freihandel einsetzt“, so VDMA-Präsient Carl Martin Welcker. Er lobte ausdrücklich den Einsatz von Bundeskanzlerin Merkel „für ihr unermüdliches und sicher nicht immer einfaches Engagement für eine multilaterale und regelbasierte Weltordnung. An diesem Prinzip festzuhalten wird umso schwieriger, je mehr Länder sich davon abwenden.“

So belasten die aktuellen Handelskonflikte die Geschäfte im Maschinenbau inzwischen immer stärker: „Wir schauen mit einigen Sorgenfalten auf Entwicklungen gerade in unserer beiden wichtigsten Märkten China und USA. Beide stellen den internationalen Handel, gar die internationale Zusammenarbeit, mehr und mehr in Frage“, sagte Welcker. Kanzlerin Merkel zeigte sich als Kämpferin für einen offenen Welthandel: „Ich werde mich weiterhin dagegenstemmen, dass diese Welt schwächer und ärmer wird durch Handelsstreitigkeiten“, versprach sie in ihrer Rede den rund 700 Teilnehmern des Gipfels. „Wir werden uns weiterhin für gute Exportbedingungen einsetzen.“

Beifall erhielt Kanzlerin Merkel auch für ein Versprechen, auf das die industriellen Mittelständler sehnsüchtig warten. Unter den vielen bürokratischen Lasten für Betriebe ragt die nationale Umsetzung der Entsenderrichtlinie besonders hervor. „Es darf im geeinten Europa mit seinem integrierten Binnenmarkt nicht an den bürokratischen Auflagen scheitern, einen Monteur für einen Wartungsauftrag kurzfristig ins benachbarte Ausland zu schicken – beispielsweise weil Italiener oder Franzosen Anträge in eigener Sprache mit 72 Stunden Bearbeitungszeit einfordern“, bemängelte der VDMA-Präsident. Die Kanzlerin ist bemüht, hier Abhilfen zu schaffen: Ich werde nicht nachlassen zu versuchen, dieses Bürokratiemonster zu verkleinern“, sagte sie. Hier seien bereits Gespräche mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron gelaufen.

Umgekehrt äußerte die Kanzlerin eine Bitte in Richtung der Maschinenbauer: „Unterstützen sie uns und wirken sie mit am Aufbau einer europäischen Cloud-Kooperation“, sagte sie. So sei die Datenlagerung und Datenverarbeitung eine Aufgabe, für die es eine europäische Lösung bräuchte.

Mobilitätswandel verändert die Branche 

Bis 2030 könnten mindestens 30 Prozent der jährlich weltweit hergestellten Fahrzeuge rein elektrisch, weitere 40 Prozent als Hybrid mit Elektro- und Verbrennungsmotor ausgestattet sein. Die Branche hat sich in großen Teilen auf ein Nebeneinander von Verbrennungs- und Elektromotor in den nächsten Jahren eingestellt. Dennoch sind die Herausforderungen groß, die auf die Unternehmen zukommen. Der Einstieg in ganz neue Technologiefelder ist nicht ohne Risiko, neben neuen Denkansätzen sind auch andere Qualifikationen, personelle und finanzielle Ressourcen notwendig. Dabei bleibt die Unsicherheit, welche Technologie sich schließlich durchsetzen wird, auf absehbare Zeit erhalten. Beim mit mit dem Thema Mobilität einhergehenden Klimaschutz würde der deutsche Maschinenbau gerne eine europäische Lösung haben. Zumindest aber müsse der nationale Klimaschutz stärker über die Sektorgrenzen hinweg gestaltet werden, forderte Welcker. „Das Klimapaket der Großen Koalition bleibt mit seinen einzelnen, sektorspezifischen Zielen hinter dem zurück, was machbar und richtig erscheint“, sagte VDMA-Präsident Welcker.

Innovationsdruck steigt weiterhin

Deutschland liegt im Globalen Innovationsindex 2019 erneut auf Platz 9, hinter Ländern wie der Schweiz, Schweden oder den Niederlanden. Zwar gehört der Maschinenbau zu den Innovationstreibern, die Ausgaben für F&E stagnieren jedoch tendenziell seit 2016. Innovation ist vor allem im Bereich neuer Geschäftsmodelle dringlich. Noch tun sich viele Unternehmen extrem schwer damit, auf Basis der neuen technologischen Möglichkeiten andere und ergänzende Geschäftsmodelle und -Chancen auszubuchstabieren. Early Adopter zeigen, dass zum Beispiel der Wandel vom Maschinenverkauf hin zu Abo-Modellen durchaus funktionieren, sogar mit Blick auf zunehmende Marktvolatilität hilfreich sein kann. Viele Unternehmen reagieren auf diese Herausforderung, indem sie zum Beispiel Tech-Startups kaufen, die ihre Transformation beschleunigen helfen. Teilweise werden auch eigene Startup-Strukturen außerhalb der traditionellen Organisation aufgebaut. Aufgabe aller Unternehmen ist jedoch, agiler zu werden – ein kultureller Wandel, der Zeit, Augenmaß und Mitarbeiterpartizipation erfordert. Dazu berichteten beispielsweise Thomas Pilz, Geschäftsführender Gesellschafter beim Automatisierungstechnik-Hersteller Pilz und Jochen Bechtold von Capgemini. (ag)


Kontakt zum VDMA

VDMA e.V.

Lyoner Str. 18
60528 Frankfurt
Tel.: +49 69 66 03 0
E-Mail: kommunikation@vdma.org

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