Finanzierung von Jungunternehmen

Mehr Geld für deutsche Start-ups

Deutsche Start-ups Geld
In Deutschland werden jedes Jahr neun Prozent aller Rechnungen von KMU im Business-to-Business-Bereich zu spät bezahlt. Bild: Booleo.de
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Deutsche Start-ups konnten 2017 Rekordsummen einwerben: Der Gesamtwert der Investitionen ist von 2,3 auf 4,3 Milliarden Euro geklettert – ein Anstieg um 88 Prozent. Grund für das starke Wachstum waren vor allem einige sehr große Deals mit einem Volumen von jeweils mehr als 100 Millionen Euro. Auch die Zahl der Finanzierungsrunden legte auf 507 zu. Das sind Ergebnisse des Start-up-Barometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Berücksichtigt wurden Unternehmen, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.

Als besonders stark erwies sich das erste Halbjahr mit 264 Transaktionen und einem Finanzierungsvolumen von insgesamt knapp 2,6 Milliarden Euro. In der zweiten Jahreshälfte ging die Zahl der Finanzierungsrunden auf 243 zurück, das Volumen sank auf 1,7 Milliarden Euro. Damit lagen die Finanzierungsaktivitäten aber immer noch über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

„Der Start-up Standort Deutschland hat sich 2017 erneut positiv entwickelt – immer mehr Unternehmen bekommen frisches Kapital, zudem schafften mehrere Unternehmen den erfolgreichen Sprung an die Börse und konnten dabei zusätzliches Wachstumskapital aufnehmen“, betont Peter Lennartz, Partner bei EY. Lennartz wertet die Zahl besonders großer Transaktionen als „ein Zeichen für ein großes Investorenvertrauen und ausgereifte Geschäftsmodelle“. Zudem sei aber auch die Finanzierung in der Breite besser geworden, so dass immer mehr deutsche Start-ups frisches Kapital erhalten: Die Zahl der deutschen Wachstumsunternehmen, die eine Finanzierungsrunde abschließen konnten, stieg noch einmal von 442 auf nunmehr 475.

Berlin konnte abermals den Titel als Deutschlands Start-up-Hauptstadt verteidigen und seinen Vorsprung sogar ausbauen. 208 Berliner Start-ups erhielten im vergangenen Jahr bei 233 Finanzierungsrunden insgesamt knapp 3 Milliarden Euro – fast dreimal so viel wie im Vorjahr. Bayerische Jungunternehmen konnten insgesamt 407 Millionen Euro einwerben, was allerdings einem Rückgang um 23 Prozent entspricht. Hamburg liegt beim Finanzierungsvolumen auf dem dritten Rang: Insgesamt 230 Millionen Euro flossen in Hamburger Start-ups – ein Anstieg um 80 Prozent gegenüber 2016. Dahinter folgen Baden-Württemberg (207 Millionen Euro), Thüringen (118 Millionen Euro) und Nordrhein-Westfalen (96 Millionen Euro).

Berlin baut Vorsprung aus

Während der Boom am Standort Berlin ungebrochen ist, war die Zahl der Finanzierungsrunden in anderen wichtigen Start-up Regionen im vergangenen Jahr eher rückläufig: In Bayern um acht Prozent, in Nordrhein-Westfalen sogar um 19 Prozent, während es in Hamburg im Vergleich zum Vorjahr kaum Veränderungen gab Bisher kleinere Ökosystem allerdings holten weiter auf – so erreichte Baden-Württemberg im Jahr 2017 erstmalig fast die Anzahl von Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Aber auch andere Regionen wie beispielsweise Hessen, Sachsen, Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen konnten einen kräftigen Aufschwung verzeichnen, wenngleich auf weiterhin eher niedrigem Niveau.

Insbesondere beim Finanzierungsvolumen ist die Schere zwischen Berlin und dem Rest der Republik im vergangenen Jahr aufgrund der Mega-Deals noch weiter aufgegangen: 69 Prozent der bundesweit investierten Summe flossen 2017 in Berliner Start-ups; im Vorjahr lag der Anteil Berlins bei 48 Prozent. Und: Die fünf größten Finanzierungsrunden des Jahres gingen durchweg an Berliner Start-ups. „Berlin entwickelt sich sehr stark – die anderen deutschen Start-up Hochburgen haben Mühe, da noch mitzuhalten“, stellt Lennartz fest. Und auch in den wichtigsten Teilsegmenten wie E-Commerce, FinTech, Health, Medien oder Mobility haben jeweils Berliner Jungunternehmen die Nase vorn. Andererseits betont Lennartz: „Das Ökosystem Berlin hat auch international eine hohe Sichtbarkeit erreicht – ausländische Investoren haben Berlin inzwischen auf dem Radar: Der Standort liegt gleichauf mit Paris und nur leicht hinter London“. Das sei nicht nur gut für Berlin, sondern für die gesamte deutsche Start-up Landschaft.

Delivery Hero sammelt am meisten Geld ein

Die beiden größten Finanzspritzen des Jahres gingen an ein einziges Unternehmen: Im Juni sammelte der Berliner Lieferdienst Delivery Hero bei seinem Börsengang insgesamt 989 Millionen Euro ein, wovon 423 Millionen Euro an das Unternehmen flossen. Schon im Mai war der südafrikanische Investor Naspers mit 387 Millionen Euro bei Delivery Hero eingestiegen. Und ebenfalls im Mai sammelte der Berliner Auto-Großhändler Auto1 insgesamt 360 Millionen Euro von verschiedenen Investoren ein. Im November erhielt zudem der Kochboxlieferant HelloFresh durch seinen Börsengang 268 Millionen Euro – bei einem gesamten Emissionsvolumen von 286 Millionen Euro.

Neben den Mega-Deals wertet Lennartz auch die hohe Zahl kleiner und mittlerer Abschlüsse als positives Zeichen: „Es gab im vergangenen Jahr 64 Finanzierungsrunden zwischen fünf und zehn Millionen Euro, immerhin noch einmal sieben mehr als im Vorjahr. Und die Zahl der Transaktionen zwischen zehn und 50 Millionen Euro stieg um acht auf 54. Hier wachsen etliche sehr vielversprechende Unternehmen heran, die nun über ausreichende Möglichkeiten verfügen, ihr Wachstum auf dem Weg zur Marktführerschaft weiter erfolgreich voranzutreiben.“

Neben steigenden Risikokapitalinvestitionen in junge Unternehmen beobachtet Lennartz auch ein weiter zunehmendes Interesse von Großunternehmen an deutschen Start-ups – insbesondere im B2B-Bereich: „Die Bereitschaft in deutschen Konzernen, mit innovativen Start-ups zusammenzuarbeiten oder sie ganz zu übernehmen, um den digitalen Wandel im eigenen Haus weiter voranzutreiben, ist im vergangenen Jahr nochmal kräftig gestiegen.“

E-Commerce-Unternehmen erhalten das höchste Investitionsvolumen

Das meiste Geld floss im vergangenen Jahr in E-Commerce-Unternehmen. Insgesamt kamen die Start-ups aus diesem Bereich auf 1,8 Milliarden Euro – nach 438 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Im E-Commerce-Segment wurden mit 95 Transaktionen zudem die meisten Finanzierungsrunden gezählt.

Gestiegen sind sowohl die Zahl als auch der Wert der Finanzspritzen für junge FinTech-Unternehmen: von 55 auf 58 Transaktionen bzw. von 415 auf 541 Millionen Euro. Auch im Bereich Health ist ein starker Anstieg zu verzeichnen: von 60 auf 71 Transaktionen und von 291 auf 522 Millionen Euro. Rückläufig waren hingegen die Summen, die in Start-ups im Bereich Energie flossen: Zwar stieg die Zahl der Finanzierungsrunden von zehn auf 15, das Investitionsvolumen hat sich allerdings von 231 auf 86 Millionen Euro mehr als halbiert. (ig)

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