Transport- und Logistiksektor

Transaktionsgeschehen bricht ein

2018 war ein durchwachsenes Jahr für Fusionen und Übernahmen in der Logistik-Branche. Insgesamt wurden 219 Deals angekündigt.
Im Vergleich mit anderen Branchen hat sich die Transport- und Logistikindustrie seit 2010 nicht mehr so schlecht geschlagen wie 2018. Bild: Schmitz Cargobull
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2018 war ein durchwachsenes Jahr für Fusionen und Übernahmen in der Transport- und Logistikbranche. Insgesamt wurden 219 Deals angekündigt. Das waren deutlich weniger als im Vorjahr 2017 (283 Deals). Besonders schwach fiel das zweite Halbjahr aus: Während in der ersten Jahreshälfte noch 127 Transaktionen angebahnt wurden, kamen zwischen Juli und Dezember nur noch 92 hinzu. Zu diesen Ergebnissen kommt die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) bei ihrer jährlichen Analyse der weltweiten M&A-Aktivitäten in der Transport- und Logistikbranche.

„Die wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten, der Handelskonflikt zwischen den USA und China, protektionistische Tendenzen sowie neue Regularien haben das Transaktionsgeschehen im Transportsektor und der Logistik besonders im zweiten Halbjahr 2018 gelähmt“, kommentiert Dietmar Prümm, Leiter des Bereichs Transport & Logistik bei PwC Deutschland. „Die Deal-Aktivitäten sind deutlich zurückgegangen. Unternehmen weltweit fokussieren sich auf wenige, dafür hochpreisige Ziele.“

Der Gesamtwert der Transaktionen liegt mit 115,3 Milliarden US-Dollar deutlich unter dem Wert des Vorjahres (134,2 Milliarden US-Dollar) und ist der niedrigste Wert seit vier Jahren. Auch dieser Einbruch ist auf ein schwaches zweites Halbjahr zurückzuführen: In den ersten sechs Monaten 2018 erreichte der Gesamtwert rekordverdächtige 74,3 Milliarden US-Dollar, in der zweiten Jahreshälfte jedoch nur 41,0 Milliarden US-Dollar. Mit 21 Mega-Deals, also Transaktionen mit einem Volumen über einer Milliarde US-Dollar, übertraf 2018 hingegen die Vorjahre (2017: 18, 2016: 19).

Logistik-Sektor im Branchenvergleich schwach

Im Vergleich mit anderen Branchen hat sich die Transport- und Logistikindustrie seit 2010 nicht mehr so schlecht geschlagen wie 2018: Auch wenn die Zahl der Transaktionen global über alle Branchen hinweg insgesamt zurückging (minus 2,4 Prozent), war der Einbruch bei den Deals mit Targets aus dem Transport- und Logistikbereich mit 23 Prozent besonders deutlich. Zum Vergleich: Bei Unternehmen der industriellen Produktion betrug der Rückgang 7,1 Prozent, im Handel und in der Konsumgüterindustrie ist die Zahl der Transaktionen sogar leicht gestiegen ( ein Plus von 0,6 Prozent).

„Der Wettbewerb um Übernahmeobjekte bei gleichzeitigem Anlagedruck besonders von institutionellen Anlegern hat die Preise in die Höhe getrieben, gerade für Infrastruktur-, Bahn- und Fluggesellschaften. Strategische Investoren halten sich zurück und auch Finanzinvestoren haben Probleme, passende Übernahmeziele zu attraktiven Konditionen zu finden“, so Dr. André Wortmann, Koordinator Transport & Logistik im Bereich Deals bei PwC Europe.

Brexit als möglicher Treiber für Deals im Jahr 2019

In Europa fiel der Einbruch gegenüber dem Vorjahr mit -42 Prozent, gemessen an der Anzahl der Deals, besonders stark aus. Das gilt auch für Großbritannien, wo die Ungewissheit über die Auswirkungen des nahenden Brexits zu spüren sind. „Transport- und Logistikunternehmen in Großbritannien und Kontinentaleuropa stehen unter dem Druck, auch nach dem EU-Austritt sichere Lieferketten aufrechtzuerhalten. Transaktionen können ein geeignetes Mittel sein, um dies sicherzustellen“, erklärt Dietmar Prümm. „Logistiker werden aber abwarten, bis die Bedingungen des Brexits und die Reaktionen von Industrie- und Handelsunternehmen absehbar sind. Bisher sehen wir nur vereinzelte Transaktionen, die durch den Brexit motiviert sein könnten. Im Laufe des Jahres 2019 könnte der Brexit aber zu einem Treiber für neue Deals in Transport und Logistik werden.“

China stärkster Markt

China entwickelt sich antizyklisch – ein Hoch der Deal-Aktivitäten bei gleichzeitig sehr niedrigem Dealvolumen. Trotz strenger Investitionsregeln ist es der aktivste M&A-Player im internationalen Vergleich: 81 Deals mit chinesischer Beteiligung sind ein neuer Rekordwert. Chinesische Unternehmen waren auch an sechs der 21 Mega-Deals und an insgesamt mehr als jeder dritten Transaktion (37 Prozent) weltweit beteiligt. Die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft drückt jedoch auf das Volumen: Der Gesamtwert der Deals lag mit 32,6 Milliarden US-Dollar deutlich unter dem Rekordjahr von 2017 (44,8 Milliarden US-Dollar).

Treiber für die überwiegende Mehrheit der Übernahmen mit chinesischer Beteiligung sind Konsolidierungen und interne Restrukturierungen. Einer der Hauptfaktoren ist aber auch der boomende chinesische und grenzüberschreitende E-Commerce. Wir beobachten eine Entwicklung, die in anderen Branchen bereits weiter fortgeschritten ist: zunächst Konzentration auf den lokalen Markt durch Aufbau und Wachstum einer Industrie im eigenen Land, gefolgt von lokalen Konsolidierungsschritten; dann Ausdehnung ins asiatische Ausland und letztlich globale Expansion.

Dabei kommen auch strategische Akquisitionen in Betracht, um logistische Netze und Knowhow zu erwerben. „Bislang investieren chinesische Logistiker eher selten im großen Stil in westliche Unternehmen. Sollte sich die wirtschaftliche Lage im Reich der Mitte bald verbessern, rechnen wir mit vermehrten Investitionen in Ländern entlang der Seidenstraße und in Europa. In den ersten acht Monaten des Jahres 2018 übertrafen chinesische Investitionen nach Europa die in die USA um das Fünffache. Durch die Anspannung zwischen China und den USA werden europäische Unternehmen noch attraktiver für chinesische Investitionen“, prognostiziert Thomas Heck, Leiter der China Business Group bei PwC Deutschland.

Positiver Ausblick für 2019

„Für das Jahr 2019 bin ich optimistisch. Große Akteure werden sich mittelfristig wieder intensiver an Mega-Deals beteiligen, denn im Transport- und Logistikmarkt werden Konsolidierungen und Verdrängungskämpfe weiter zunehmen“, blickt Dietmar Prümm voraus. Chinesische Investoren und die weiteren Entwicklungen in Großbritannien würden voraussichtlich eine Schlüsselrolle einnehmen. Es bleibe abzuwarten, wie intensiv sich China an Akquisitionen außerhalb Asiens beteiligen werde. Fest stehe, dass der Brexit für spannende Entwicklungen im neuen Jahr sorgen werde. (ig)

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