Teil II - Konkrete Anwendungen

Was bringt Blockchain-Technologie der Industrie?

Experten gehen davon aus, dass die Blockchain-Technologie innerhalb der Industrie künftig eine Plattform bieten wird, um Daten, Werte oder Eigenschaften von Dingen irreversibel abzuspeichern. Bild: Hacker Noon
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Blockchain-Datenbanken werden häufig auch als „Ledger“ (die englische Bezeichnung für ein Kassenbuch, in dem alle Bargeldbewegungen eines Unternehmens aufgezeichnet werden) bezeichnet. Diese Namensgebung macht deutlich, dass in einer Blockchain-Datenbank weniger Daten als vielmehr Transaktionen abgespeichert werden. Geht es um das Begleichen von Rechnungen auf Basis von Kryptowährungen besteht ein gespeicherter Datensatz (Analog zu einer Überweisung bei einer Bank) aus den Daten von Sender und Empfänger sowie dem Betrag und dem Zeitpunkt. Im zweiten Teil unserer Begriffserklärung geht es um die praktische Anwendung der Blockchain-Technologie in der Industrie.

Das Prinzip lässt sich aber auch beispielsweise auf die Logistik anwenden. Auch da gibt es einen Sender einen Empfänger und statt eines Geldbetrages, wird ein Produkt verschickt. Man kann sogar noch früher anfangen und schon die Transaktionen bei der Produktherstellung in einem „Block“ abspeichern und diesen in der Datenbank an die vorhandene Kette von Blöcken anhängen. Damit wäre ein für alle Mal geklärt wo sich das entsprechende Produkt befindet. Und nicht nur das. Es ließe sich eindeutig nachvollziehen, wer dieses Produkt unter Zuhilfenahme welcher Zulieferer produziert hat. Das könnte dann Auswirkungen auf die Produkthaftung haben.

Vor allem, weil Manipulationen der Daten quasi ausgeschlossen sind. Das liegt wiederum daran, dass sich per Definition die Teilnehmer der Blockchain stets einig sein müssen, ehe ein neuer Block an die Kette angehängt wird. Sprich, nur wenn alle beteiligten Parteien die Korrektheit des Datensatzes bestätigen, wird diese Teil der Kette. Frei erfundene Transaktionen haben also keine Chance. Ist ein freigegebener Datensatz einmal Teil der Kette geworden, dann kann dieser nicht nachträglich verändert werden, was für weitere Sicherheit sorgt.

Blockchain-Technologie ist quasi fälschungssicher

Experten gehen davon aus, dass die Blockchain-Technologie innerhalb der Industrie künftig eine Plattform bieten wird, um Daten, Werte oder Eigenschaften von Dingen irreversibel in abzuspeichern. Dabei sind den Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Es kann sich sowohl um Produktionsdaten als auch um auch Verträge handeln. Der Grundgedanke ist es, über die Sicherheit der abgelegten Daten eines Produktions- oder Supply-Chain-Netzwerks eine für die Teilnehmer vertrauenswürdige Plattform. Da die Blockchain-Technologie quasi fälschungssicher ist, könnte sie auch dazu beitragen die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Partnern zu ermöglichen, die sich bei Vertragsschluss noch nicht persönliche kennen.

In der Informations-Technologie sind aus dem Hype inzwischen konkrete Strategien geworden. Firmen wie SAP, IBM oder Microsoft haben angekündigt, Transaktionen mithilfe von Blockchain-Technologien zu automatisieren und so die Verbreitung des Internets der Dinge (IoT) zu beschleunigen. In diesem Umfeld tätige Beratungsunternehmen sind auf den Zug aufgesprungen und beschäftigen sich mit dem Ausarbeiten entsprechender Geschäftsmodelle.

Bosch und weitere internationale Unternehmen haben mit der „Trusted IoT Alliance“ ein Bündnis zur Nutzung von Blockchain und verwandten Technologien geschlossen, um eigenen Angaben zufolge für mehr Transparenz, Sicherheit und Effizienz zu sorgen. Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) ist ein immer stärker wachsendes Netz aus Milliarden internetfähiger Geräten. Schon verändern diese Geräte den Alltag: Das Auto hilft bei der Parkplatzsuche, das Haus meldet dem Bewohner ein offenes Fenster und der Acker dem Landwirt die Bodentemperatur. Aufgrund der stark zunehmenden Verbreitung wird es immer relevanter, die Sicherheit von IoT-Geräten zum Beispiel gegen Hackerangriffe kontinuierlich zu verbessern und das Vertrauen der Nutzer in IoT-Lösungen zu stärken. Dazu will das Bündnis einheitliche Standards entwickeln, die dazu beitragen, diese Ziele zu erreichen.

Nächste Phase einer technischen Entwicklungslinie

„Ohne das Zutun Dritter lassen sich mit Hilfe der Blockchain und technologisch ähnlicher Ansätze auf sichere Weise Daten online zwischen Nutzern austauschen, Vereinbarungen und Verträge anonymisiert abschließen und Zahlungen sicher durchführen“, erläutert Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner Denner. „Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir bei Bosch neue Lösungen zur Marktreife bringen und damit zum weiteren Erfolg des Internets der Dinge beitragen.“ Mögliche Einsatzgebiete sehe das Bündnis bei der sicheren Identifikation und Vernetzung von Gegenständen – vom Auto über Fertigungsanlagen bis hin zu Paketen oder Energiezählern. Weitere Potenziale lägen in der Automatisierung von Geschäftsprozessen.

Die Ausarbeitung einheitlicher Blockchain-Standards für das IoT kann nach Überzeugung von Bosch als „nächste Phase einer technischen Entwicklungslinie betrachtet werden“, die beim Barcode – dem ersten digitalen Produktidentifikator – ihren Anfang genommen hätte. Der Barcode habe im Einzelhandel und im Fertigungssektor enorme Verbesserungen ermöglicht, etwa durch schnelleres Bezahlen an der Kasse oder schnellere Identifizierung von Waren. Doch berge der Strichcode auch Sicherheitslücken. Heute seien beispielsweise Produktfälschungen im Wert von Billionen Dollar im Umlauf. Die Blockchain als sichereres Identitätssystem, das sich durch Offenheit und Interoperabilität auszeichnet, könne hier Abhilfe schaffen und ähnliche Umwälzungen bewirken wie seinerzeit der Barcode.

Alle übertragenden Daten werden kryptografisch verschlüsselt

Bosch selbst erforscht bereits zahlreiche Nutzungsansätze. Ein fortgeschrittenes Projekt dreht sich um Tachobetrug bei Fahrzeugen. Das Auto sendet in regelmäßigen Abständen den Tachostand an eine sichere und weltweit verfügbare dezentrale Datenbank. Die Echtheit der Angaben wird über ein Zertifikat nachgewiesen. Alle übertragenden Daten werden zudem kryptografisch verschlüsselt und können ausschließlich vom Fahrzeugbesitzer gelesen werden. Darüber hinaus ist Blockchain-Einsatz in der Fertigungsindustrie sinnvoll, vor allem in der Lieferkettenlogistik. Dort kann mit kryptografischen Signaturen die Identität von Gegenständen in jeder Transport- und After-Sales-Phase bestätigt werden. Der Nutzen: Qualität und Effizienz steigen, Kosten sinken.

Deutschlands Vorzeige-Softwarekonzern SAP setzt in „Leonardo“, seiner Plattform für das Internet der Dinge, bereits Blockchain-Technologie ein. Auch wenn dieser Einsatz eigenen Aussagen zufolge nicht überall einen Sinn ergebe, da die Blockchain-Technologie auch Einfluss auf die Performance habe. Es komme sehr auf die entsprechenden Szenarien an. Der Einsatz lohne sich immer dort, wo es um die Zusammenarbeit mehrerer Seiten oder um Nachverfolgung etwa von Produkten ankomme. Dabei könne in der Warenlogistik die Herkunft etwa eines Joghurtbechers oder der Frachtbrief im Transportwesen gesichert werden. (ig)

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