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Mehr grüner Wasserstoff für den Verkehr für eine Reduzierung der Emissionen und der Importabhängigkeit in Deutschland

Wasserstoff-Tankstellenbetreiber fordern:
Strategie der Bundesregierung soll Verkehrsbereich mehr berücksichtigen

Wasserstoff Verkehr H2 Mobility
Anfang Juli 2022 eröffnete H2 Mobility eine Wasserstoff-Tankstelle auf dem Campus der Siemens AG in Erlangen. Bild: H2 MOBILITY

Bundesrat und Bundestag haben den Grundstein gelegt für den Hochlauf einer grünen Wasserstoffmarktwirtschaft. Wasserstoff-Tankstellenbetreiber fordern nun, dass der Verkehrsbereich eine wesentlich stärkere Berücksichtigung auch bei der anstehenden Überarbeitung der Nationalen Wasserstoffstrategie erfährt: Mehr grüner Wasserstoff für den Verkehr.

Der Bundesrat hat am 8.7.2022 die Gesetze des „Osterpakets“ zum beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien abschließend gebilligt, nachdem sie einen Tag zuvor durch den Deutschen Bundestag beschlossen wurden. Erstmals wird damit der Grundstein für den Hochlauf einer grünen Wasserstoff-Marktwirtschaft gelegt.

Angesichts der zunehmenden Dynamik beim Ausbau der regionalen Wasserstofferzeugung sowie der internationalen Wasserstoff-Importstrategien fordern nun Wasserstoff-Tankstellenbetreiber, dass der Verkehrsbereich eine wesentlich stärkere Berücksichtigung auch bei der anstehenden Überarbeitung der Nationalen Wasserstoffstrategie erfährt: Mehr grüner Wasserstoff für den Verkehr – für eine Reduzierung der Emissionen und der Importabhängigkeit in Deutschland.

Regulatorische Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden

Die Wasserstoffnachfrage an deutschen Tankstellen steigt: Allein in den letzten 12 Monaten hat sich die in Deutschland vertankte Menge an Wasserstoff (H2) verdoppelt. Vor allem der Bereich der Nutzfahrzeuge wächst signifikant.

Damit hier aber Wasserstoff zur vollständigen Dekarbonisierung beitragen kann, muss er elektrolytisch aus erneuerbaren Energien erzeugt werden.

Da es an einer investitionssicheren Regulierung mangelt, ist eine flächendeckende versorgungssichere Bereitstellung von grünem H2 im Verkehr in Deutschland nicht im erforderlichen Maße gewährleistet.

Verkehr ist zuverlässiger Abnehmer mit hoher Zahlungsbereitschaft

Damit sich dies schnell ändert, müssen jetzt die Weichen gestellt werden. Einzelne Projekte, wie das von GP Joule initiierte eFarm-Projekt aus Nordfriesland, zeigen, dass eine Versorgung durch lokal produzierten grünen Wasserstoff für die Mobilität technisch bereits möglich ist.

Diese gilt es auszubauen, indem entsprechende regulatorische Rahmenbedingungen für einen schnellen Hochlauf geschaffen werden.

Vor allem beim Ausbau von lokalen Elektrolyseanlagen ermöglicht der Verkehr, als zuverlässiger Abnehmer mit im Verhältnis zu anderen Sektoren hoher Zahlungsbereitschaft, einen wirtschaftlichen Betrieb.

Damit kann der Verkehrsbereich entscheidend zur Umsetzung von regionalen Elektrolyseprojekten und zum raschen Ausbau der Elektrolysekapazitäten in Deutschland, von dem auch andere Abnehmer profitieren, beitragen.

Die Bedeutung von netzdienlichen Elektrolyseanlagen nimmt zu

Die Bedeutung von netzdienlichen Elektrolyseanlagen nimmt aktuell zu. Denn um die Versorgungsengpässe der durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine ausgelösten Energiekrise entgegenzuwirken, sollen flexible Gaskraftwerke durch weniger flexible Öl- und Kohlekraftwerke ersetzt werden.

Auch der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien fordert netzdienliches Lastmanagement. Regionale Elektrolyseanlagen sind schnell regelbar und eignen sich, dynamische Schwankungen im Netz auszugleichen. In einer Zukunft mit erneuerbaren Energien sind Elektrolyseanlagen unabdingbar, um eine effiziente Energieverwertung zu gewährleisten.

„Der Verkehrsbereich benötigt dezentrale Elektrolysekapazitäten, wie auch der dezentrale Elektrolysemarkt den Verkehrssektor braucht.“
– Nikolas Iwan, H2 Mobility

„Um den Ausbau regionaler Elektrolyseure voranzutreiben – für Netzstabilität, für mehr Unabhängigkeit von fossilen Kraftstoffen und für lokale Wertschöpfung, fordern wir den Verkehrsbereich stärker zu berücksichtigen, regulatorische Hemmnisse weiter abzubauen und Investitionen zu fördern“, sagt Nikolas Iwan, Geschäftsführer des größten Wasserstofftankstellen-Betreibers in Deutschland H2 Mobility.

Unterstützt wird diese Forderung auch von den Wasserstofftankstellen-Betreibern GP Joule, Westfalen AG und Jet H2 Energy.

Iwan: „Der Verkehrsbereich benötigt dezentrale Elektrolysekapazitäten, wie auch der dezentrale Elektrolysemarkt den Verkehrssektor braucht.“

Eine grüne Wasserstoffmobilität, die zum Teil auf einer regionalen Erzeugung von erneuerbaren Energien mit integrierten Wasserstofferzeugungsanlagen basiert, bietet die größte Resilienz gegenüber geopolitischen Verwerfungen.

Dieses ist insbesondere im Verkehr, dem Rückgrat einer modernen Industrienation, von entscheidender Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland und einer prosperierenden sozialen Marktwirtschaft

Straßenverkehr benötigt im Jahr 2030 ca. 150.000 bis 300.000 t H2

Bis 2030 sollen 10 GW Elektrolysekapazitäten in Deutschland errichtet werden, was etwa 700–800.000 Tonnen pro Jahr entspricht. Importe ähnlicher Mengen an Wasserstoff und Wasserstoffderivaten sollen hinzukommen.

Der Straßenverkehr benötigt im Jahr 2030 geschätzte 150.000 bis 300.000 Tonnen grünen Wasserstoff sowie den beschleunigten Auf- und Ausbau der Wasserstofftankstellen-Infrastruktur und sinnvolle Infrastrukturen zur Verteilung des Importwasserstoffs in Deutschland.

Diese Relationen zeigen, dass der Verkehrssektor ein signifikanter Kunde von grünem Wasserstoff bleiben wird, der den Ausbau gerade regional treiben kann, weil sich dadurch Investitionen rechnen lassen. 

Auch wenn der zurzeit vertankte Wasserstoff im Netzdurchschnitt deutlich weniger CO2-Emissionen im Vergleich zu konventionellen Antrieben verursacht, können nur mit Wasserstoff, der mit erneuerbaren Energien erzeugt wird, die Klimaziele im Verkehr erreicht werden.

Jet H2 Energy, H2 Mobility Deutschland, GP Joule und Westfalen AG betrachten es als ihr vorrangiges Ziel, sobald wie möglich nur noch grünen Wasserstoff an allen von ihnen betriebenen Tankstellen anzubieten.

Das deutsche Wasserstofftankstellen-Netz 

Aktuell können Brennstoffzellenfahrer an 96 öffentlichen Wasserstofftankstellen in Deutschland mit 700 bar Pkw, kleinere Nutzfahrzeuge und z. B. Müllsammler auftanken. Neun weitere Tankstellen befinden sich in Planung, Bau oder Inbetriebnahme. An zwölf Stationen ist auch die Betankung mit 350 bar für Busse und Lkw möglich. Weitere sechs befinden sich in der Umsetzung. Damit ist Deutschland im europäischen Vergleich führend.

H2 Mobility Deutschland ist zurzeit mit 90 Wasserstofftankstellen der führende Anbieter in Europa. Der weitere Ausbau der deutschen Wasserstofftankstelleninfrastruktur erfolgt nachfrageorientiert, u.a. entlang der TEN-T-Korridore auch für Nutzfahrzeuge.

Die Westfalen Gruppe betreibt bereits seit 2016 eine öffentliche Wasserstofftankstelle mit 700– und 350-Bar-Technologie in Münster. Zusätzlich launchte die Westfalen Gruppe erst 2021 ihre mobile Wasserstofftankstelle für Starterflotten. Weitere öffentliche Tankstellen sind zunächst in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen geplant. 

GP Joule ist ein Systemanbieter für 100% Erneuerbare Energien und versorgt bereits zwei Wasserstofftankstellen in Husum und Niebüll ausschließlich mit grünem Wasserstoff. In den nächsten zwei Jahren sind zehn weitere Tankstellen inklusive grüner Wasserstoffproduktionsstandorte geplant.

Die im Juli 2022 gegründete Jet H2 Energy hat sich zum Ziel gesetzt, das Ökosystem für grünen Wasserstoff auszubauen und auf diesem Wege in den nächsten fünf Jahren in Deutschland, Österreich und Dänemark 250 Wasserstofftankstellen zu errichten und zu betreiben. (eve)

 

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