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Industriekonzern Thyssenkrupp baut 3.000 Stellen in den nächsten sechs Jahren ab

Stahlkonzern
Thyssenkrupp baut 3.000 Stellen ab – in den nächsten sechs Jahren

Thyssenkrupp-Quartier in Essen. Der Konzern will 3000 Stellen in den nächsten sechs Jahren abbauen.
Dunkle Zeiten für Thyssenkrupp: Der Konzern will weitere 5000 Stellen bis 2022 abbauen.
Bild: Thyssenkrupp
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Stellenabbau und Standort-Verlagerungen: Thyssenkrupp geht seine „Stahlstrategie 20-30“ ernsthaft an. Der Industriekonzern und die IG Metall haben am 24. März einen Tarifvertrag abgeschlossen. Auch eine Einigung auf ein Sofortpaket zur Corona-Krise wurde erzielt. Sie betrifft alle deutschen Stahlstandorte von Thyssenkrupp. Am 1. April tritt der Tarifvertrag in Kraft und gilt bis zum 31. März 2026.

Im Dezember des vergangenen Jahres hatte Thyssenkrupp eine Strategie für den Stahlbereich vorgelegt. Das Ziel: Technologieführerschaft und Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen. Um Investitionen tätigen zu können, ist die Kostensenkung das Mittel der Wahl. Im Stahlgeschäft sieht sich Thyssenkrupp mit Überkapazitäten, schwankenden Rohstoffpreisen und hohem Import-Druck konfrontiert. Mit der Umsetzung der Strategie hoffe der Industrieriese auf eine nachhaltige Ergebnisverbesserung.

Vorstandsmitglied Keysberg glaubt an Stahlgeschäft-Potenzial

„Unser Stahlgeschäft hat das Potenzial dazu, den europäischen Wettbewerb anzuführen“, sagt Klaus Keysberg, Mitglied des Vorstands der thyssenkrupp AG und verantwortlich für die Materialgeschäfte. Allerdings sei man „zu komplex aufgestellt“ und habe eine „unangemessene Kostenstruktur“, was der enttäuschende Geschäftsverlauf in diesem Geschäftsjahr belege. „Das werden wir ändern“, verspricht Keysberg.

Insgesamt 3.000 Stellen fallen bei Thyssenkrupp bis 2026 weg

Bei der Umsetzung der Strategie wird auch die Belegschaft in Mitleidenschaft gezogen: So sollen in den nächsten drei Jahren bis zu 2.000 Stellen gestrichen werden. Bis 2026 sollen weitere 1.000 Stellen folgen. Thyssenkrupp will den Produktionsstandort in Duisburg stärken und „einzelne Aggregate an anderen Standorten“ schließen, schreibt das Unternehmen.

In folgenden Bereichen wird es zum Stellenabbau kommen:

  • In der Verwaltung werden etwa 1.000 Stellen gestrichen
  • Im Bereich Grobblech müssen 800 Mitarbeiter um ihre Posten bangen, da Thyssenkrupp hier „keine Entwicklungsperspektive innerhalb der Unternehmensgruppe“ sieht
  • Ab 2022 werden rund 1.200 Mitarbeiter „durch die Optimierung des Produktionsnetzwerks“ entlassen

Der Konzern verspricht, dass der Stellenabbau „sozialverträglich erfolgen“ wird. Die Beschäftigungssicherung gelte bis zum 31. März 2026. Gemeinsam mit der IG Metall habe man sich zum hohen Stellenwert der Berufsausbildung im Stahlbereich bekannt.

Thyssenkrupp-Personalvorstand Burkhard: „Umbau fordert uns alle“

„Die getroffenen Regelungen geben thyssenkrupp deutlich mehr Flexibilität, um Mitarbeitende auf andere Stellen zu versetzen“, so das Unternehmen. Durch die Veränderung des Produktionsnetzwerks könnten Arbeitsplätze an andere Standorte verlagert werden.

„Der Umbau fordert uns alle. Unternehmen und Beschäftigte“, sagt Oliver Burkhard, Personalvorstand und Arbeitsdirektor bei Thyssenkrupp. „Aber: Nur mit und nicht gegen die Belegschaft sind solche umfassenden Veränderungen möglich.“ Den Beweis dafür trete man nun „wieder einmal“ im Stahlgeschäft an. „Mit einem guten Ausgleich zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und sozialer Verantwortung“, fügt Burkhard hinzu.

Industriekonzern will in sechs Jahren 800 Millionen Euro investieren

Thyssenkrupps Stahlstrategie sieht einen zusätzlichen Investitionsrahmen von etwa 800 Millionen Euro über sechs Jahre vor. Dieser ergänze die bereits in der Planung enthaltenen jährlichen Investitionen von rund 570 Millionen Euro.

Das Produkt-Portfolio werde auf Zukunftsmärkte und profitable Stahlgüten ausgerichtet. Die Produktion nichtkornorientierter Elektrostähle werde gestärkt. Das Unternehmen rechnet hier damit, dass diese Stähle für die Elektromobilität essentiell werden. Außerdem soll der eingeschlagene Weg zur Entwicklung klimaneutraler Stahlprodukte mit Hochdruck fortgesetzt werden.

Gesamtbetriebs-Vereinbarung mit Sozialplan und Interessenausgleich

Bevor sich Thyssenkrupp und IG Metall auf den Tarifvertrag „Zukunftspakt Stahl 20-30“ geeinigt hatten, haben die Parteien gemeinsam eine Gesamtbetriebs-Vereinbarung mit Sozialplan und Interessenausgleich erarbeitet. Die Restrukturierung soll am 1. April beginnen. Dazu soll das Funktionskonzept in der Veraltung neu umgesetzt und erste Investitionen in Neuanlagen veranlasst werden.

Thyssenkrupp und IG Metall einigen sich auf Paket „Corona-Krise“

Auch Thyssenkrupp bleibt von der Corona-Krise nicht verschont. Der Konzern berichtet von einem drastischen Rückgang der Kundenabrufe und einer verschlechterten Auftragslage. Auch im Stahlgeschäft werden daher kurzfristig Produktions-Anpassungen vorgenommen.

Daher haben sich IG Metall und der Industriekonzern auf ein Sofortpaket „Corona-Krise“ geeinigt. So sollen in der aktuellen Situation einzelne Maßnahmen der Stahlstrategie 20-30 im Verlauf der Umsetzung regelmäßig überprüft werden. Für die Dauer der Pandemie wurde ein gemeinsames monatliches Monitoring der Situation vereinbart.

Viele Standorte werden auf Kurzarbeit umstellen müssen

Ebenfalls im Sofortpaket enthalten: Sollte es bei Betrieben von Thyssenkrupp Steel Europe zu Kurzarbeit kommen, ist eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 80 Prozent vorzunehmen. Zusätzlich kann eine tariflich vereinbarte Sonderzahlung in freie Tage umgewandelt werden. Und zur Kurzarbeit an vielen Standorten wird es kommen, sagt Personalvorstand Burkhard. Zunächst betreffe es produktionsnahe Bereiche, aber auch die Verwaltung. „Auch wenn uns die Arbeit ausgeht, versuchen wir, alle in Arbeit zu halten“, kündigt Burkhard an. „Damit wir nach der Krise durchstarten können.“

Börsenkurs von Thyssenkrupp steigt deutlich an

Während die Aktie von Thyssenkrupp in der vergangenen Woche ein Rekord-Tief erreicht hatte, stieg sie am heutigen Mittwoch (25. März) davon ausgehend um inzwischen fast 75 Prozent. „Endlich scheine das Management die Probleme anzugehen, womöglich auch gerade noch rechtzeitig“, zitiert das Online-Portal Börse Online einen Händler. (wag)


Kontakt zu Thyssenkrupp

Thyssenkrupp AG
Thyssenkrupp Allee 1
45143 Essen
Tel.: +49 201 8440
Website: www.thyssenkrupp.de

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