Diversität: Nur jeder dritte outet sich im Job

Diversity

Nur jedes dritte deutsche LGBT-Talent outet sich im Job

Wie die Studie zeigt, wären 85 Prozent aller LGBT-Talente in Deutschland theoretisch bereit, sich im Job zu outen. Dennoch gibt es immer noch Vorbehalte, den Schritt tatsächlich zu gehen. Bild: Wallpaper Gratis
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Nur 37 Prozent der deutschen LGBT-Talente (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und andere Gruppen) legen gegenüber Arbeitskollegen ihre sexuelle Orientierung offen. Das belegt die internationale Studie „Out@Work““ der Boston Consulting Group (BCG), für die die Strategieberatung weltweit mehr als 4.000 junge Berufstätige und Studenten unter 35 Jahren befragt hat.

„Das Thema sexuelle Orientierung ist nach wie vor ein Tabu in vielen deutschen Unternehmen. Damit schaden sich die Unternehmen vor allem selbst: Denn häufig ist ein offener Umgang im Job mit einer höheren Arbeitszufriedenheit verbunden“, erklärt BCG-Principal und Studienautorin Annika Zawadzki. „Viele Unternehmen haben sich das Thema Diversität bereits auf die Fahnen geschrieben. Sie müssen aber noch besser darin werden, ein sicheres und unterstützendes Umfeld für LGBT-Mitarbeiter zu schaffen, wenn sie diese Talente künftig gewinnen und halten wollen.“

Thema Diversität

Die Teilnehmer der BCG-Studie kommen unter anderem aus Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Mexiko, Niederlande, Spanien und den USA. Im internationalen Vergleich führen Großbritannien, Brasilien, die USA und Kanada das Feld an. Hier haben sich jeweils 63, 60 und 55 Prozent der LGBT-Talente im Job geoutet. Der globale Durchschnitt liegt bei 52 Prozent. Neben Deutschland landen Italien (46 Prozent), die Niederlande (43 Prozent) und Spanien (42 Prozent) auf den hintersten Rängen, wenn es um den Anteil derer geht, die im Berufsumfeld ihre sexuelle Orientierung offenlegen.

Jedes vierte deutsche LGBT-Talent sieht „Coming Out“ im Job als Karrierefalle

Wie die Studie zeigt, wären 85 Prozent aller LGBT-Talente in Deutschland theoretisch bereit, sich im Job zu outen. Dennoch gibt es immer noch Vorbehalte, den Schritt tatsächlich zu gehen: So glauben zwar 38 Prozent der Befragten, dass ein „Coming Out“ im Job ihr Leben einfacher machen würde – jedoch sind 22 Prozent besorgt, dass ein öffentliches Bekenntnis zu ihrer Sexualität ein Karriererisiko bedeuten könnte. 42 Prozent geben sogar an, dass sie im Gespräch mit Vorgesetzten über ihre sexuelle Orientierung lügen. Allerdings sind nur die wenigsten Befragten bereit, für ihren Beruf ein existenzielles Risiko einzugehen: So würden nur vier Prozent der deutschen LGBT-Talente in einem Land arbeiten, in dem Homosexualität strafrechtlich verfolgt wird – der niedrigste Wert im internationalen Vergleich.

„Neben Gehalt und Standort achten LGBT-Talente bei der Wahl des Arbeitgebers vor allem auf eine LGBT-freundliche Unternehmenskultur in welcher Diversität gelebt wird. Dazu zählt, dass Unternehmen eine Antidiskriminierungsrichtlinie befolgen und LGBT-Mitarbeiter nicht in Ländern arbeiten müssen, in denen Homosexualität strafrechtlich verfolgt wird“, kommentiert Annika Zawadzki. „Zudem ist den deutschen Studienteilnehmern ein lebendiges LGBT-Netzwerk wichtig, dass Mitarbeiter zusammenbringt und LGBT-Karrieren aktiv fördert. Wenn Unternehmen es noch nicht getan haben, sollten sie jetzt bei diesen Themen ansetzen.“

Weitere weltweite Ergebnisse der Studie:

  • Frauen (43 Prozent) outen sich im Job seltener als Männer (57 Prozent) und nichtbinäre Menschen (46 Prozent) –Menschen, die sich in den Kategorien „Frau“ oder „Mann“ nicht repräsentiert sehen.
  • Transgender-Menschen (44 Prozent) outen sich im Berufsumfeld seltener als andere Gruppen (52 Prozent).
  • Die Studie identifiziert vier Typen von LGBT-Talenten: 44 Prozent haben sich im Job geoutet und fühlen sich wohl damit. 35 Prozent halten ihre sexuelle Orientierung im Beruf geheim und sind damit zufrieden. 13 Prozent hatten noch kein „Coming Out“ im Job und sind damit unzufrieden. Acht Prozent haben sich in der Arbeit geoutet und fühlen sich damit unwohl.
  • LGBT-Talente zieht es stärker in den öffentlichen Sektor (40 Prozent) als andere Arbeitnehmer (34 Prozent). Auch Non-Profit Organisationen sind bei LGBT-Talenten beliebter (29 Prozent) als bei anderen Befragten (19 Prozent). Die Privatwirtschaft (58 Prozent) und Start-Ups (19 Prozent) sind hingegen weniger populär als bei Heterosexuellen (69 beziehungswese 26 Prozent).  (ig)
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