Studie von Deloitte

Autonomes Fahren sorgt bis 2035 für 40 Prozent mehr Verkehr

Urbane Mobilität Deloitte Studie
Bild: kristina rütten / fotolia.com
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Autonom fahrende Taxis und Shuttle-Fahrzeuge könnten dafür sorgen, dass es bis 2035 zu einem massiven Anstieg des innerstädtischen Autoverkehrs kommt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Deloitte-Studie mit dem Titel „Urbane Mobilität und autonomes Fahren im Jahr 2035“. Die Autoren der Studie nehmen an, dass im Jahr 2035 Autos zuverlässig voll autonom fahren können und sich autonome Fahrzeuge im Markt etabliert haben.

Neben autonomen Pkw im Privatbesitz eröffnet dies ein Geschäftsfeld für Dienstleister, die Fahrten gegen Gebühr abrechnen. Dabei könnten zwei sich Fahrzeugtypen durchsetzen: autonome Taxis für ein bis zwei und autonome Shuttles (Sammeltaxis) für maximal vier Passagiere.

Grundlage der Studie ist ein quantitatives Mobilitätsmodell, in das unter anderem Bewegungsmuster, Bevölkerungsstruktur und Pendlerverflechtungen in 109 deutschen Städten einflossen. Zusätzlich wurden Daten eines repräsentatives Online-Experiments mit mehr als 2.000 potenziellen Nutzern zu Akzeptanz und Zahlungsbereitschaft für autonome Fahrdienste ausgewertet und in die Studie eingearbeitet. „Unser Mobilitätsmodell prognostiziert, dass zwei wesentliche Effekte zu erwarten sind: Die Anzahl der Fahrzeuge, die zeitgleich auf unseren Straßen fahren, nimmt zu. Damit sinkt der Verkehrsfluss und das Staurisiko wird deutlich erhöht“, sagt Dr. Thomas Schiller, Partner und Leiter Automotive bei Deloitte.

Autonome Taxis und Shuttles deutlich günstiger

Autonome Fahrdienste könnten in den Städten nicht nur den privaten Pkw, sondern auch den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verdrängen. Weil die Auslastung beim Robotertaxi höher und die Nutzung effizienter ist, sind Fahrten 25 Prozent günstiger als mit dem eigenen Auto. Nutzer autonomer Shuttles zahlen die Hälfte des Preises eines ÖPNV-Tickets – bei deutlich höherem Komfort. Nach den Berechnungen von Deloitte kosten autonome Taxis 34 Cent pro Kilometer, autonome Shuttles 15 Cent.

Hauptverkehrsmittel Robotaxi

Ließe man den Marktkräften freien Lauf, wären im Jahr 2035 740.000 autonome Fahrzeuge in den Städten unterwegs, das Zwölffache der heutigen Taxiflotte. Jeder dritte Weg würde somit in autonomen Fahrdiensten zurückgelegt werden. Der Preiswettbewerb verdrängt dann nicht nur das private Auto, dessen Anteil an den täglich gefahrenen Strecken sich von heute 49 auf 32 Prozent im Jahr 2035 reduziert. Auch die Nutzung des ÖPNV sinkt von 20 auf 14 Prozent. Sogar die Nutzung von Fahrrad und Fußweg geht von 31 auf 21 Prozent zurück. Besondere Anziehungskraft haben die autonomen Fahrdienste für Schüler, die noch keinen Führerschein haben, und Rentner, die nicht mehr selbst fahren wollen oder den Komfort der Tür-zu-Tür-Services autonomer Fahrdienste dem ÖPNV vorziehen.

Drohender Verkehrskollaps

Dabei nimmt der Fahrzeugbestand in urbanen Regionen um 20 Prozent ab, wodurch vor allem der Parkraum entlastet wird. Da jedoch autonome Fahrzeuge häufiger genutzt werden, steigert sich der Verkehr in den Städten in Spitzenzeiten um bis zu 40 Prozent. Staus sind die Folge. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den Straßen sinkt dann um zehn Prozent, die morgendliche Fahrtzeit zur Arbeit verlängert sich im Schnitt um 2,5 Minuten – für alle Verkehrsteilnehmer. Zumindest die Umwelt wird durch den zunehmenden Verkehr kaum belastet: Die autonomen Fahrzeuge dürften durchgängig elektrisch angetrieben werden und sind damit lokal emissionsfrei.

Smarte Regulierung ist eine Lösung

„Wenn sich der Markt frei ohne Regulierung entwickeln würde, wäre das Potenzial enorm. Die Nutzungsbereitschaft und die Nachfrage sind hoch. Die potenziellen Nutzer würden bereitstehen – die Hersteller müssen mit der entsprechenden Technologie nachziehen und die Politik die richtigen Weichen stellen, damit eine erhöhte Verkehrsbelastung verhindert wird“, fasst Deloitte-Chefökonom Dr. Alexander Börsch zusammen. Denn grundsätzlich könnte eine smarte Regulierung eine Lösung sein, um Mobilität in geordnete Bahnen zu lenken und einen Verkehrskollaps zu vermeiden.

Großes Marktpotenzial

Für die Automobilindustrie und Dienstleister ergeben die autonomen Fahrzeuge neue Geschäftsmodelle, sagt Schiller: „Der Betrieb autonomer Fahrdienstflotten kann pro Jahr ein Umsatzvolumen von bis zu 16,7 Milliarden Euro erreichen – das ist ein Sechstel des Umsatzes, den Fahrzeughersteller heute mit dem Verkauf von Neuwagen in Deutschland erwirtschaften. Für OEMs würde sich hier ein zweiter Markt eröffnen, bei dem es um Kilometer- und nicht um den Autoverkauf geht.“ (wag)

Die gesamte Studie können Sie auf der Website von Deloitte nachlesen.


Kontakt zu Deloitte

Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Rosenheimer Platz 4
81669 München
Tel.: +49 89 290360
Fax: +49 89 29036 8108
E-Mail: kontakt@deloitte.de
Website: www.deloitte.de

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