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Bitkom-Bericht: Corona führt zu Digitalisierungsschub in der deutschen Industrie

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Bitkom-Bericht: Corona führt zu Digitalisierungsschub in der deutschen Industrie

Bitkom-Bericht Industrie 4.0 Digitalisierung Petr Ciz Adobe Stock
Industrie 4.0 erfährt durch die Corona-Pandemie einen deutlichen Schub.
Bild: Petr Ciz/stock.adobe.com
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Die Corona-Pandemie führt zu einem Digitalisierungs-Schub in Unternehmen, trifft die Industrie aber auch mit voller Wucht: 42% der Unternehmen mit 100 oder mehr Beschäftigten geben in einer aktuellen Bitkom-Umfrage an, bislang sehr schlecht (23%: eher schlecht) durch die Corona-Zeit gekommen zu sein. Gleichzeitig sagen 95%, dass im Zuge der Pandemie die Digitalisierung in ihrem Unternehmen an Bedeutung gewonnen hat.

63% der Industrie-Unternehmen geben an, dass ihnen digitale Technologien helfen, die Corona-Pandemie zu bewältigen. Etwas mehr als drei Viertel (77%) haben festgestellt, dass Unternehmen, deren Geschäftsmodell bereits digitalisiert ist, besser durch die Krise kommen.

Für die repräsentative Studie zur Digitalisierung der deutschen Industrie hat der Digitalverband Bitkom 551 Industrie-Unternehmen ab 100 Beschäftigten befragt.

„Die Corona-Pandemie zeigt, dass Digitalisierung nicht nur im Normalmodus Effizienzgewinne und Wettbewerbsvorteile bringt, sondern auch eine hoch wirksame Krisenvorsorge ist“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. „Die Corona-Pandemie muss genutzt werden, den digitalen Umbau der deutschen Industrie voranzutreiben.“

Corona-Pandemie verändert Produkte und Dienstleitungen

Die Industrie hat bereits auf Corona reagiert. 81% der Unternehmen passen bestehende und 49% bieten neue Produkte und Dienstleistungen an, 29% nehmen bestimmte Angebote vom Markt. 42% haben ihr Geschäftsmodell durch die Corona-Krise verändert.

Tatsächlich könnte die Corona-Pandemie in den kommenden Monaten für einen anhaltenden Digitalisierungs-Schub in den Fabriken sorgen, vermutet der Bitkom. 61% wollen als Folge von Corona langfristig die Digitalisierung vorantreiben. 62% sehen einen Innovationsschub für das eigene Unternehmen.

62 Prozent der Unternehmen nutzen Industrie 4.0-Anwendungen

Industrie 4.0 ist inzwischen für alle größeren Industrie-Unternehmen ein Thema. 62% setzen bereits spezielle Anwendungen wie vernetzte Produktionsanlagen, Echtzeit-Kommunikation zwischen Maschinen oder intelligente Roboter ein. Das ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (59%), vor drei Jahren lag der Anteil gerade einmal bei 49%.

Jedes fünfte Unternehmen (21%) plant aktuell die Industrie 4.0-Nutzung. Weitere 16% unternehmen noch keine konkreten Schritte, können sich das aber für die Zukunft vorstellen. Erstmals gibt kein größeres Industrie-Unternehmen mehr an, dass Industrie 4.0 kein Thema ist.

IoT-Plattformen, 3D-Druck und 5G gewinnen an Bedeutung

Aktuell nutzen vier von zehn Unternehmen IoT-Plattformen, mit denen Daten von Geräten, Maschinen und Anlagen an zentraler Stelle zusammengeführt und ausgewertet werden können. 32% planen die künftige Nutzung, für 19% sind IoT-Plattformen derzeit kein Thema.

„IoT-Plattformen legen das Fundament für digitale Mehrwertdienste. Mit ihnen werden physische Produkte um weitere Funktionen angereichert und ermöglichen so zum Beispiel vorausschauende Wartung“, sagt Rohleder.

44% nutzen 3D-Druck, fast ebenso viele planen oder diskutieren den Einsatz (42%). 14% wollen erst einmal auf 3D-Druck verzichten.

Industrie 4.0

Herausragende Bedeutung kommt dem neuen Mobilfunkstandard 5G für die vernetzte Produktion zu. Inzwischen halten 85% der Industrie-Unternehmen die Verfügbarkeit von 5G für wichtig, vor einem Jahr waren es erst 72%. Der Anteil der Unternehmen, die 5G für unwichtig halten, hat sich von 26 auf 13% halbiert.

„5G ist eine Schlüsseltechnologie, gerade für die Industrie“, so Rohleder. Es ermögliche Übertragungen in Echtzeit, eine höhere Netzwerk-Kapazität und eine praktisch unbegrenzte Zahl an Geräten und Bauteilen, die miteinander kommunizieren können.

Industrie 4.0 wird die Arbeit in den Fabriken verändern. 57% der Unternehmen erwarten, dass neue Arbeitsplätze für gut ausgebildete Fachkräfte entstehen. 68% gehen davon aus, dass Arbeitsplätze für gering Qualifizierte wegfallen werden. Auf diesen Wandel stellt sich die Industrie bereits heute ein: 68% der Industrieunternehmen investieren bereits in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter.

Mehrheit investiert in der Pandemie in Industrie 4.0

Nur 14% der Unternehmen haben ihre Ausgaben in Industrie 4.0 etwas gesenkt, neun weitere Prozent deutlich. In jedem dritten Unternehmen hat sich nichts geändert. „Mehr Investitionen in Industrie 4.0 – das ist eine gute Nachricht für den Standort Deutschland“, sagt Rohleder.

95% sehen in Industrie 4.0 eine Chance für das eigene Unternehmen, nur vier Prozent halten sie für ein Risiko.

Einsatz von Industrie 4.0 stockt aus mehreren Gründen

Die Unternehmen erleben aktuell eine Vielzahl von Hemmnissen, die den Einsatz von Industrie 4.0-Anwendungen erschweren:

  • 77% würden gerne mehr investieren, klagen aber über fehlende finanzielle Mittel
  • 61% fühlen sich durch Datenschutz-Anforderungen behindert
  • 57% beklagen die Anforderungen an die IT-Sicherheit
  • 55% verfügen nicht über die notwendigen Fachkräfte
  • 52% fühlen sich durch die Komplexität des Themas überfordert
  • 48% bemängeln die Störanfälligkeit der Systeme
  • 29% fehlt es am Austausch mit anderen Unternehmen
  • 25% haben nicht genügend Zeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen
  • 14% mangelt es an externen Beratern
  • 12% beklagen fehlendes Wissen über Best-Practice-Lösungen
  • 11% bemängeln fehlende Standards
  • 10% sind der Meinung, dass es eine zu geringe Verfügbarkeit von marktfähigen Lösungen gibt
  • 9% beklagen eine zu geringe Akzeptanz in der Belegschaft

Kein Hinderungsgrund sind ein zu geringer Automatisierungsgrad im eigenen Unternehmen, um Industrie 4.0-Anwendungen einsetzen zu können oder eine Unsicherheit über den wirtschaftlichen Nutzen.

Corona als Katalysator: Das sind die aktuellen Trends in der Fertigungsindustrie

Entsprechend formulieren die Industrie-Unternehmen sehr konkrete Wünsche:

  • 84% plädieren für einen Abbau von rechtlichen Unsicherheiten beim Datenaustausch mit anderen Unternehmen
  • 80% wünschen sich die Förderung von Investitionen
  • 78% halten einen beschleunigten Breitbandausbau für vordringlich wichtig
  • 63% erwarten mehr und bessere Informations- und Beratungsangebote
  • 53% wünschen sich eine Integration von Industrie 4.0 in Ausbildung und Studium
  • 48% wäre mit Aus- und Weiterbildungsprogramme für die Mitarbeiter geholfen
  • 47% plädieren für Förderprogramme für Forschung und Entwicklung
  • 34% fordern die Etablierung von Standards

9 von 10 Unternehmen wünschen sich eine neue Industriepolitik

Derzeit glauben nur 31% der Unternehmen, dass in der Politik ein ausreichendes Verständnis für die Bedeutung von Industrie 4.0 vorhanden ist. Zugleich sagen 91%, dass Industrie 4.0 die Voraussetzung für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie darstellt.

86 Prozent halten vor diesem Hintergrund eine neue Industriepolitik in Deutschland für notwendig, um Industrie 4.0 voranzubringen. „Industrie 4.0 ist in erster Linie eine Sache der Unternehmen. Um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie zu sichern und zu stärken, muss die Politik diese Anstrengungen der Wirtschaft flankieren und unterstützen, und zwar über Corona hinaus“, fordert Rohleder. (wag)


Kontakt zum Bitkom

Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.
Albrechtstraße 10
10117 Berlin-Mitte
Tel.: +49 30 2757 60
E-Mail: bitkom@bitkom.org
Website: www.bitkom.org

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