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Immer weniger Patentanmeldungen: Deutschland droht bei Industrie 4.0 abgehängt zu werden

Immer weniger Patentanmeldungen
Deutschland droht bei Industrie 4.0 abgehängt zu werden

Eine vernetzte Industrie 4.0-Fabrik. Deutschland gerät aufgrund weniger Patentanmeldungen ins Hintertreffen.
Deutschland meldet immer weniger Patente im Bereich Industrie 4.0 an. Matthias Rößler von Karo IP sieht dies kritisch.
Bild: sompong_tom/stock. adobe.com
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Deutschland gilt als Urheber des Begriffs Industrie 4.0. Aber während die technologische Entwicklung zur vierten industriellen Revolution (4IR) an Fahrt aufnimmt, fallen deutsche Unternehmen und Forschungsinstitute zunehmend zurück. Das zeigt eine Studie des Europäischen Patentamts. Demnach stammen von den weltweit fast 40.000 im Jahr 2018 angemeldeten Patentfamilien nur 2.051 aus Deutschland.

Zu diesen Patenfamilien gehören Technologien wie etwa das Internet of Things (IoT), Big Data, Künstliche Intelligenz (KI) und der Mobilfunkstandard 5G.

Deutschland liefert zwar fast jedes dritte Patent, das aus Europa kommt. Weltweit jedoch reicht es nur für Platz fünf hinter den USA (11.927), Japan (6.679), China (6.307) und Südkorea (4.370). Und Deutschlands Position wird schwächer: Mit im Schnitt 14,9 Prozent Wachstum pro Jahr liegt die Bundesrepublik – Ausnahme: Japan – ebenfalls deutlich hinter diesen Ländern. Der Patentanwalt Matthias Rößler von der Patentantwalts-Kanzlei Karo IP vermutet, dass sich dieser Trend noch verstärkt haben könnte – denn Patente müssen erst 18 Monate nach der Anmeldung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Rößler: Ausländische Unternehmen könnten deutsche beeinflussen

Matthias Rößler hält es für problematisch, dass Deutschland bei Patentanmeldungen für Zukunftstechnologien ins Hintertreffen gerät. Diese Tatsache könne dazu führen, dass Innovatoren im Bereich Industrie 4.0 der datengesteuerten Wirtschaft von morgen ihren Stempel aufdrücken können.

Was das konkret bedeutet, erklärt der Mitgründer von Karo IP am Patentstreit zwischen Nokia und Daimler. Dieser habe das Potenzial, die bestehenden Lieferketten der gesamten deutschen Autoindustrie zu beeinflussen.

Denn: sollten deutsche Zulieferer mangels eigener Entwicklungen immer gezwungen sein, die Lizenz-Forderungen von Nokia und anderen Patentinhabern zu erfüllen, müssten sie andere Wege finden, diesen Kostennachteil auszugleichen. Eine gemeinsame Kraftanstrengung von OEM und Zulieferern sei hier erforderlich, wenn vermieden werden soll, dass sich deutsche Anbieter komplett aus der Auto-Telematik zurückziehen und das Feld Zulieferern wie Huawei, Samsung und LG überlassen.

Auch andere Wirtschafts-Sektoren könnten laut Rößler künftig zunehmend in die Abhängigkeit ausländischer Patentinhaber geraten. Neben dem Automobilsektor fanden 4IR-Innovationen in den letzten Jahren nämlich verstärkt auch Eingang in IoT-Branchen wie Energie, Gesundheit, Maschinenbau und speziell intelligente Konsumgüter in den Bereichen Wearables, Unterhaltung, Spielzeug und Textilien.

Umbruch stellt Branchen vor immense Herausforderungen

„Natürlich wird der durch 4IR verursachte Umbruch auch in diesen Branchen Akteure vor immense Herausforderungen stellen“, ist sich Rößler sicher. Daher sei es umso wichtiger, frühzeitig geeignete Konzepte zur Verfügbarkeit von patentgeschützten Technologien einzurichten – etwa über Patentpools, Patentauktionen und Lizenzprogramme sowie gegebenenfalls über strategische Unternehmens-Allianzen.

Letztlich wäre es wirtschaftlich vor allem für Europa fatal, wenn entsprechende Konzepte nicht umgesetzt würden, so Rößler. Aktuelle Schätzungen der Europäischen Kommission besagen, dass der Einsatz von 4IR-Technologien in der Automatisierung von Geschäftsprozessen allein in der EU das BIP bis 2030 um zusätzliche 2,2 Billionen Euro steigern könnte – was einem Zuwachs um 14,1 Prozent gegenüber 2017 entspräche. (wag)


Kontakt zu Karo IP

karo IP Patentanwälte
Platz der Ideen 2
40476 Düsseldorf
Tel.: +49 211 9763 560
E-Mail: mail@karo-ip.de
Website: www.karo-ip.de

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