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2-Milliarden-Euro-Deal: Siemens verkauft Getriebespezialist Flender an Finanzinvestor Carlyle

Umstrukturierung
Siemens verkauft Getriebespezialist Flender an Finanzinvestor

Flender Werk Bayswater Australien
Getriebespezialist Flender wird von Siemens an einen Investor verkauft. Im Bild: Die Noch-Siemens-Tochter Flender investiert in eine neue Produktionsstätte in Australien. Bild: Flender
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Siemens verkauft den Getriebespezialisten Flender für gut zwei Milliarden Euro an den Finanzinvestor Carlyle. Der ursprünglich für 2021 angekündigte Börsengang wird nicht kommen. Die neue Eigentümerstruktur biete Flender bestmögliche Wachstums- und Entwicklungsmöglichkeiten, heißt es von Siemens. 

Carlyle hat sich damit in einem Bieterwettbewerb gegen andere Private-Equity-Spezialisten durchgesetzt. Der Finanzinvestor gab laut Siemens langfristige Garantien für Mitarbeiter und die deutschen Standorte ab. „Als Weltmarktführer im Wind- und Industriegetriebebereich ist Flender mit einem hervorragend aufgestellten Produkt- und Technologieportfolio und globaler Präsenz bestens für nachhaltiges Wachstum positioniert“, sagte Carlyle-Manager Gregor Böhm.

Nach einem Bieterwettkampf hatte der damalige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld im Jahr 2005 rund 1,2 Mrd. Euro für das Bocholter Unternehmen gezahlt. Doch eine Erfolgsgeschichte war die Akquisition nicht. Die Profitabilität von Flender ließ lange zu wünschen übrig. Zudem passt Flender nicht mehr in den neuen Siemens-Konzern, der vor allem auf Digitalisierung setzt.

Flender stellt unter anderem Getriebe für die Windkraftindustrie her. Vor dem Verkauf brachte Siemens die inzwischen restrukturierte Tochter weiter auf Vordermann und integrierte die Einheit Siemens Wind Energy Generation, die auf elektrische Antriebskomponenten wie Generatoren spezialisiert ist.

Der Getriebe-Spezialist kommt auf etwa 2,2 Mrd. Euro Jahresumsatz und hat 8600 Mitarbeiter. Attraktiv für Investoren ist unter anderem die Tatsache, dass der Windkraftspezialist Siemens Gamesa einen langfristigen Auftrag an Flender vergab. Das Unternehmen stellt aber auch große Getriebe und Kupplungen für Kräne, Schiffe oder die Öl- und Gasförderung her.

„Carlyle freut sich, die künftige Entwicklung von Flender durch unsere industrielle Expertise und Investitionen in die Technologie- und Service-Plattform zu unterstützen, mit der das Unternehmen seine Kunden auf der ganzen Welt bedient“, sagte Gregor Böhm, Managing Director und Co-Head von Europe Buyout bei Carlyle.

Jobgarantien für Flender-Mitarbeiter

Im Rahmen des Verkaufs wurden durch Carlyle langfristige und verlässliche Zusagen für Flender und seine Mitarbeiter vereinbart. Damit unterstreicht Carlyle den avisierten künftigen Kurs für das Unternehmen und die Wertschätzung gegenüber der Flender Belegschaft.

Der Verkauf von Flender ist ein Beleg für die strategische Ausrichtung der Siemens Portfolio Companies. Ziel ist es, den Unternehmen innerhalb der Portfolio Companies mehr Eigenständigkeit und Eigenverantwortung zu geben, auch unter der Möglichkeit eines Eigentümerwechsels, heißt es von Siemens.

Unter dem Schirm der Portfolio Companies hat Siemens seit 1. April 2019 mehrere Geschäftseinheiten zusammengefasst. Die sechs Einheiten beschäftigen rund 21.500 Mitarbeiter. Sie erwirtschaften einen Umsatz von rund 5 Mrd. Euro.

Mehrere Investoren waren im Rennen

Mehrere Finanzinvestoren hatten um den Getriebespezialisten gebuhlt. „Das Interesse zeigt deutlich die Attraktivität des Unternehmens“, sagte Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas. Laut Industriekreisen fiel die Entscheidung im Aufsichtsrat einstimmig. Verhandlungskreisen zufolge schloss Carlyle für eine Übergangszeit betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen in Deutschland aus. Unter anderem die kanadische Brookfield Asset und Triton waren laut Finanzkreisen interessiert, das in diesem Jahr bereits den Getriebehersteller Renk von Volkswagen übernommen hatte.

Siemens treibt Umstrukturierung weiter

Den Weg des Spin-offs war Siemens bereits mit dem Energietechnik-Geschäft gegangen, das im September als Siemens Energy das Börsendebüt feierte. Siemens-Chef Joe Keser sagte: „Mit dem Verkauf von Flender führen wir unsere Strategie zu einer neuen, fokussierten Siemens AG erfolgreich und konsequent weiter.“ Das Konzept der „Eigensanierung mittels Anwendung mittelständischer Strukturen“ innerhalb von Siemens habe sich bewährt.

„Unser ursprünglicher Plan war, Flender im Zuge einer Abspaltung an die Börse zu bringen“, ergänzt Ralf P. Thomas, Finanzvorstand der Siemens AG und zuständig für den Bereich Portfolio Companies (POC). „Gleichzeitig waren wir immer auch für alternative Lösungen offen. Das Interesse zahlreicher Investoren zeigt deutlich die Attraktivität des Unternehmens und bestätigt unser Konzept der Portfolio-Unternehmen. Durch das überzeugende unternehmerische Konzept des neuen Eigentümers erhält Flender die notwendige Möglichkeit, sich künftig noch stärker zu optimieren und die Kundenbedürfnisse noch zielgerichteter zu adressieren. Siemens und seine Aktionäre wiederum profitieren von der weiteren Fokussierung des Geschäfts, der attraktiven Bewertung und dem Liquiditätszufluss“, so Thomas weiter.

Die Veräußerung von Flender schließt den Portfolioumbau von Siemens ab. Der scheidende Konzernchef Kaeser hatte neben der Energietechnik auch die Medizintechnik als Healthineers an die Börse gebracht. Sein designierter Nachfolger Roland Busch hat signalisiert, dass er die verbliebene Siemens AG nun nicht weiter aufspalten, sondern vor allem durch organisches Wachstum wieder ausbauen will. (ag)


Kontakt zu Siemens und Flender

Siemens AG
Werner-von-Siemens-Straße 1
80333 München
Tel.: +49 89 6360 0
E-Mail: contact@siemens.com
Website: www.siemens.de

Flender GmbH
Alfred-Flender-Strasse 77
46395 Bocholt
Deutschland
Tel.: +49 2871 920
Website: www.flender.com

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